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Dodge & Burn

Abwedeln und Nachbelichten eines Bildes zur Steigerung der Wirkung sind nichts wirklich Neues. Doch die Arbeitstechnik von Christine Drews treibt den Effekt an sein Limit.

Vorarbeiten
In diesem Bild sind alle für die Arbeiten von Drei?st typischen Stilmittel vertreten. Die Bearbeitung beginnt mit allgemeinen Hautretuschen und in diesem Fall speziellen Verformungen. Der Oberschenkel des Models entsprach nicht den Vorstellungen der Macher, und so wurde er mit den Werkzeugen des Verflüssigen-­Dialogs in ­Dimensionen gebracht, die an die Frauenbein-­Ästhetik des Comic-Zeichners Robert Crumb erinnern. Die im Anschluss erfolgten Farbkorrekturen konzentrieren sich zum einen auf Kleidung und Details, zum anderen würden Gesicht und Dekolletee weich aufgehellt. Der neutrale Hintergrund wird in Abstimmung mit dem Hautton umgefärbt und über Aufhellungsebenen mit einem weichen Spotlicht versehen. Den Abschluss der vierstufigen Vorarbeiten bilden die Einfärbung des Siegertreppchens und der Einbau von ­Textelementen.

D & B: Weiche Zusatzschatten
Das Dodging & Burning erfolgt bei Christine Drews in drei Schritten: Zunächst legt sie zwei Neutralgrau-Ebenen an. Die untere im Verrechnungsmodus „Weiches Licht“ verstärkt die Schatten des Bildes. Auf ihr malt sie mit schwarzer Farbe, einem weichen Pinsel und geringer Deckkraft zunächst die Mitteltöne des Bildes nach, die als Schattenpartien verstärkt werden sollen. Zur Steigerung der Plastizität und zur Herausarbeitung von Formen setzt Drews auf dieser Ebene zudem Schatten auf Stellen, wo Formkonturen, wie etwa Muskeln, sein sollten, aber im Original keine waren. Dieser zweite Teil der Arbeit ist der wirklich kreative, der die spätere Glaubwürdigkeit maßgeblich beeinflusst. Die Bearbeitung erfordert malerische Fähigkeiten, eine genaue Beobachtung und zeichnerisches Geschick, um mithilfe von Schatten die Plastizität an den gewünschten Stellen glaubwürdig zu erhöhen.

D & B: Harte Lichter und Schatten
Die zweite, obere Ebene nutzt Drews in erster Linie, um die Lichter des Bildes zu intensivieren, aber auch für zusätzliche Schattierungen. Je nach Belichtung der Vorlage und Beleuchtung des Motivs setzt sie die Ebene meist auf „Ineinanderkopieren“ für einen stärkeren Effekt, oder gelegentlich auch auf „Weiches Licht“ für eine weniger augenfällige digitale Nachbeleuchtung. Gemalt wird auch hier wieder mit weicher Pinselspitze und geringer Deckkraft. Weiße Farbe hellt Lichter auf oder setzt neue Reflexionen auf Stellen, wo zuvor keine waren. Schwarze Farbe intensiviert vorhandene Schatten oder ergänzt den Schattenfall an Stellen, wo die aufgemalten Lichter nach den Regeln der Physik von Schattenwürfen begleitet sind. Sie sollten sich dieser Nachbeleuchtung zwar mit den Augen eines Fotografen oder besser noch mit denen eines Zeichners zuwenden, doch arbeiten die meisten Dodger & Burner eher nach ihrem Gefühl. Je besser das ausgebildet ist, desto eindrucksvoller werden die Ergebnisse. Solange man noch nicht sicher ist, welches Licht und welcher Schatten wie intensiv wohin muss, um einen bestimmten Effekt zu erreichen, sollte man diese Technik verhalten einsetzen.

D & B: Verstärkung
Den letzten Feinschliff erhält die Nachbelichtung mit einem einfachen Trick: Duplizieren Sie zunächst die bereits ausgearbeitete Ebene für harte Lichter und Schatten aus dem letzten Schritt. Dann blenden Sie die Ebene mit einer schwarzen Ebenenmaske aus und malen sie anschließend ganz vorsichtig mit weißer Farbe wieder auf den Stellen auf, wo eine weitere Effektverstärkung der Bildaussage dienlich ist.

TIPP: Die hyperrealistische Bildwirkung lässt sich noch weiter intensivieren, wenn Sie die Bilddetails mit dem Filter „Unscharf maskieren“ nachschärfen. Die „richtigen“ Werte hängen von der Auflösung Ihres Bildes ab. Startpunkt ist ein Radius von unter 1 Pixel und eine Stärke von über 150?%

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