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Das Runde muss ins Eckige

Erfahren Sie, wie die Software des Fujifilm Fotoservice pro die Auswahl des optimalen Rendering ­Intents unterstützt.


Auf dem Weg zum gedruckten Fine-Art- oder ausbelichteten Fotopapier-Bild müssen die Farben meist eine Engstelle im Workflow passieren, an der sie aus einem großen in einen kleineren Farbraum gezwängt werden; seltener ist es umgekehrt. In beiden Fällen bestimmt der Rendering Intent, was dabei mit den Farben passiert. Wir erklären Ihnen, wie die Software des Fujifilm Fotoservice pro die Auswahl des optimalen Rendering Intents unterstützt.

Alle Ein- und Ausgabegeräte im Workflow des Bildbearbeiters stellen Farben unterschiedlich dar und unterscheiden sich auch darin, welche Farben sie überhaupt darstellen können. Deshalb ist es so wichtig, für ein durchgängiges Farbmanagement zu sorgen. Wenn Sie sich die Verarbeitungskette als eine Pipeline vorstellen, deren Querschnitt jeweils dem darstellbaren Farbumfang (Gamut) entspricht, dann gibt es Stellen, an denen sich die Röhre weitet oder verengt. In Photoshop können Sie einen Farbraum mit praktisch beliebig großem Gamut wählen und mit einer Farbtiefe von 16 oder 32 Bit pro Kanal für feinste Differenzierungen sorgen. Eingabegeräte wie Kameras und Scanner sind in ihrem Gamut beschränkter, und das gilt erst recht für typische Ausgabegeräte wie Bildschirme, Drucker und Belichter. An jeder Stelle, an der sich der Gamut verengt oder erweitert, ist eine Umwandlung nötig, und wie diese vorgehen soll, bezeichnet man als Rendering Intent. Zwar lässt sich eine Einbuße an Farbdifferenzierungen an einer Engstelle nicht vermeiden, aber mit der Wahl des jeweils optimalen Rendering Intents machen Sie unter den gegebenen Umständen das Beste aus Ihrem Bild.
Der Fujifilm Fotoservice pro nutzt die Software FFSpro, mit der Sie Prints, Fotobücher und Kalender bestellen können. Die von DeltaE Image Consulting in Mönchengladbach (www.deltae.eu) entwickelte Anwendung zeichnet sich dadurch aus, dass sie verschiedene Rendering Intents zur Wahl stellt und erlaubt, deren Wirkung mit einer Softproof-Funktion zu beurteilen. Beim Start wird der Fujifilm-Server nach Softproof-Profilen für neue Produkte abgefragt, um das Druckergebnis für alle Verfahren und Medien simulieren zu können. Nachdem Sie dann ein Bild und das gewünschte Produkt wie beispielsweise einen Print auf Fine-Art-Papier ausgewählt haben, müssen Sie sich für den am besten geeigneten Rendering Intent entscheiden.

Stauchen oder kappen
In den meisten Fällen werden Ihre Bilder in einem Farbraum wie Adobe RGB vorliegen, der einen größeren Farbumfang abdeckt als sich in einem Print auf Papier darstellen lässt. Eine der einfachsten Möglichkeiten, den größeren Gamut auf den Farbumfang zu reduzieren, der am Ende überhaupt wiedergegeben werden kann, ist der Rendering Intent „absolut farbmetrisch“. Er lässt alle Farbtöne unverändert, sofern sie innerhalb des Ziel-Gamut liegen, und ersetzt die Farbtöne außerhalb davon durch die nächstliegenden Farben am Rande des Ziel-Gamut. Auf diese Weise bleiben zwar so viele Farben wie möglich unverändert, aber alle Farbunterschiede außerhalb des Ziel-Gamuts gehen verloren.
FFSpro bietet stattdessen die allgemein bevorzugte Variante „relativ farbmetrisch“ an, die auch den Weißpunkt des Ausgabe­mediums berücksichtigt und den ursprünglichen Gamut zunächst einmal so verschiebt, dass die Weißpunkte zur Deckung kommen. Bei der Umwandlung von Farben außerhalb des Ziel-Gamuts versucht dieser Rendering Intent, dem originalen Farbton und der Helligkeit möglichst nahe zu kommen, auch wenn dafür die Sättigung angepasst werden muss. Wenn zusätzlich eine Tiefenkompensation zugeschaltet wird („relativ farbmetrisch mit TK“), sorgt eine Kompression der Tonwerte in den Schatten für eine manchmal etwas bessere Differenzierung in diesem Bereich.
Der Rendering Intent „perzeptiv“ führt oft zum visuell befriedigendsten Ergebnis, obwohl er am stärksten in die Farbwiedergabe eingreift. Der ursprüngliche Gamut wird so weit gestaucht, dass er sich vollständig auf den Ziel-Gamut abbilden lässt. Dabei werden zwar alle Farben verschoben und damit verfälscht – und zwar schwächer gesättigte Farben mehr als solche mit hoher Sättigung –, aber die Farbunterschiede bleiben erhalten. Da wir für Farb­unterschiede viel sensibler sind als für absolute Farbtöne, stören die Verfälschungen kaum – genauso wie ein in der falschen Tonart gesungenes Lied nicht irritiert, so lange die Melodie dieselbe bleibt; nur jemand mit absolutem Gehör erkennt die Abweichung.
Auch wenn Sie die Funktionsweise der Rendering Intents ver­innerlicht haben, werden Sie nicht immer abschätzen können, welche Wahl für ein Bild optimal ist. Die Softproof-Vorschau in FFSpro macht das auch unnötig: Probieren Sie einfach aus, mit welchem Rendering Intent sich das beste Ergebnis ergibt.

Den Freiraum nutzen
Es gibt nun aber auch Situationen, in denen der Farbumfang für den Druck nicht oder nicht nur verkleinert werden muss. Manche Bilder liegen im relativ kleinen sRGB-Farbraum vor, dem der Vierfarbdruck einen im Bereich von Blau und Cyan größeren Gamut voraus hat. Diese zusätzlich darstellbaren Farben müssten eigentlich ungenutzt bleiben, da sie ja im Bild nicht vorkommen. Wenn Sie aber die Option „sRGB-Optimierung“ wählen, versucht die Software, das Beste aus dem größeren Spielraum zu machen. Die genaue Vorgehensweise ist ein Betriebsgeheimnis, aber das Prinzip besteht darin, Blau- und Cyantöne am Rand des sRGB-Gamut, die in der Realität vermutlich außerhalb des Farb­raums lagen, in den größeren Ausgabe-Farbraum zu verschieben.
Besser machen
Bei all diesen Verfahren handelt es sich wohlgemerkt nicht um die berüchtigten „Bildverbesserungen“, mit denen manche Bilderdienste knackigere Ergebnisse produzieren wollen, die aber in ihrer Wirkung kaum vorhersagbar sind. Deren Grundlage ist eine Motiverkennung, damit beispielsweise der Himmel ein kräftiges Himmelblau, Vegetation ein frisches Grün und Gesichter den bevorzugten Teint erhalten. FFSpro wendet dagegen nur Verfahren an, die alle Bildpixel gleich behandeln – wenn ein bestimmter Farbton in einen anderen umgewandelt wird, dann wird jedes Pixel dieser Farbe in identischer Weise verändert.
Das Farbmanagement in FFSpro gibt Ihnen die Kontrolle über das Ergebnis, denn dank der Softproof-Anzeige gilt: „What you see is what you get“. Damit lassen sich die Beschränkungen der Druckverfahren zwar nicht aufheben; auch mit dem optimal gewählten Rendering Intent können Sie nicht darstellbare Farben nicht wieder herbeizaubern. Sie erhalten aber das beste Ergebnis, das die Technik zulässt, und Sie wissen schon im Voraus recht genau, wie das bestellte Produkt aussehen wird.

Mit der Datei „ColorSpin.jpg“ von DeltaE Image Consulting, die Sie über www.docma.info/11415.html herunterladen können, lässt sich überprüfen, ob Sie wirklich mit einem farbverbindlichen Workflow arbeiten. Nur wenn die Farben wie hier links gezeigt mit der Beschriftung übereinstimmen, funktioniert das Farbmanagement. Mit falschen Farben, wie rechts zu sehen, stellen beispielsweise manche Browser das JPEG dar.

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