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Acht Wochen Corona-Epidemie

Man erinnert sich ja kaum noch, wie die Welt vor dem neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2 aussah, aber es sind tatsächlich erst gut acht Wochen vergangen, seit die erste Infektion in Deutschland festgestellt wurde. Was ist in diesen acht Wochen der Corona-Epidemie passiert?

Acht Wochen Corona-Epidemie
Acht Wochen Corona-Epidemie: Die Entwicklung der COVID-19-Fallzahlen in Deutschland. (Quelle: Statista, WHO, Johns Hopkins University)

In China begann sich das Virus SARS-CoV-2 ab dem Dezember 2019 auszubreiten; der erste in Deutschland festgestellte Fall wurde am 27. Januar 2020 bekannt – ein Mitarbeiter eines bayerischen Unternehmens war von einer Chinesin infiziert worden, die sich zu einer Dienstreise in Bayern aufgehalten hatte. Wie sich bald darauf herausstellte, hatte er bereits seinerseits Kollegen angesteckt. Die Kontaktpersonen wurden isoliert und getestet, so wie es in solchen Fällen üblich ist, und auf diese Weise schien die Lage beherrschbar zu bleiben. In denen ersten 16 Tagen der Epidemie in Deutschland wurden jeweils ein bis drei weitere Fälle bekannt, oft aber auch keiner; insgesamt waren es 16 Fälle – einer pro Tag. Vom 13. bis zum 25. Februar gab es dann gar keine neuen Fälle mehr, so dass man nach vier Wochen den Eindruck gewinnen konnte, man hätte die Verbreitung des Virus unter Kontrolle. Das war nicht unplausibel, denn bei der SARS-Pandemie 2002/2003 (neun Fälle in Deutschland, davon keiner tödlich) und der MERS-Pandemie 2013–2016 (zwei Fälle in Deutschland, davon einer tödlich) war das schließlich auch gelungen.

In der fünften Woche kam die Wende. Erst waren es zwei neue Fälle, dann drei, was noch innerhalb der Variationsbreite der ersten Wochen lag, aber dann stiegen die Fallzahlen rasant: 25, 11, 51, 35, 38, 59, 283 … Diese Personen mussten sich bereits in der vierten Woche angesteckt haben, als man die Infektionen noch unter Kontrolle wähnte; nun wurde den Experten klar, dass sich das Virus in der Bevölkerung auszubreiten begonnen hatte. Die Zeit, in der man es nur mit Reisenden zu tun hatte, die das Virus einschleppten, sowie deren unmittelbaren Kontaktpersonen, war vorbei. Da sich die hohen Fallzahlen allerdings auf wenige Hotspots beschränkten, schien die Lage immer noch beherrschbar zu sein.

Erst in der sechsten Woche entstand aufgrund der Warnungen von Experten wie dem Virologen Prof. Christian Drosten und dem Mikrobiologen Prof. Alexander Kekulé (übrigens der Urenkel des berühmten Chemikers August Kekulé, dem Entdecker des Benzolrings) das nötige Problembewusstsein – in der Politik wie auch in der Bevölkerung. Gesichtsmasken waren schnell ausverkauft und Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges, gründliches Händewaschen setzten sich durch. Absagen von Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern wurden diskutiert und schließlich verbindlich verfügt.

Dass die Fallzahlen weiter steigen würden, war im Grunde klar, denn diese neuen Fälle gingen auf Infektionen zurück, die rund eine Woche zurücklagen; ein verändertes Verhalten der Bevölkerung konnte so schnell keine Wirkung zeigen. Die exponentielle Steigerung sorgte in der siebten Woche dann für immer weiter gehende Beschränkungen des öffentlichen Lebens, um durch die Reduktion sozialer Kontakte die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

In der achten Woche gab es erste Anzeichen, dass sich die Situation verbessern würde. Die Zahl der Fälle stieg freilich weiter, und an diesem Bild hätte sich auch dann nichts geändert, wenn man die – ohnehin nicht zuverlässig erfasste – Zahl der Genesungen abgezogen hätte. Bei Neuinfektionszahlen von um die 4000 pro Tag fielen diese nicht ins Gewicht. Entscheidend war die Entwicklung der Neuinfektionen, die in der achten Woche tendenziell zurückgingen. Dies zu verifizieren war und ist allerdings schwierig, weil neue Fälle insbesondere an den Wochenenden nicht immer zeitnah bei der zentralen Sammelstelle, dem Robert-Koch-Institut, gemeldet wurden, und es zudem Probleme mit der hierfür eingesetzten Software des Instituts gab. Erste Erfolgsmeldungen mussten nachträglich abgeschwächt werden, nachdem fehlende Daten in die Statistik eingepflegt worden waren. Das „Dashboard“ des Robert-Koch-Instituts zeigt die Nachmeldungen seit gestern transparent an.

Acht Wochen Corona-Epidemie
Neu erkannte COVID-19-Fälle pro Tag, wobei die Nachmeldungen in Orange angezeigt sind. (Quelle: Robert-Koch-Institut)

Der Trend bei den Neuinfektionen in der achten Woche scheint jedenfalls rückgängig zu sein, und die Ursache liegt schon in den ersten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus, die ein bis zwei Wochen benötigten, um auch erkennbar zu wirken. Die Wirkung der seit ein paar Tagen geltenden Kontaktverbote oder -einschränkungen werden wir erst in einer Woche beurteilen können. Nachdem diese Beschränkungen des sozialen Lebens offenbar weitgehend eingehalten werden und sich Meldungen über angebliche Phänomene wie „Corona-Partys“ kaum bestätigen ließen, rechne ich mit einem weiteren, deutlichen Rückgang der Neuinfektionen und schließlich auch mit einem Rückgang der akuten Krankheitsfälle spätestens im Mai.

Damit wäre das Virus aber noch nicht aus der Welt, und auch ein Impfstoff wird noch nicht verfügbar sein – dafür sind monatelange Tests nötig, gefolgt von einer Phase, in der die nötige Zahl von Impfdosen hergestellt wird. Besonders exponierte Personen wie Ärzte und Pflegepersonal sowie Menschen mit Vorerkrankungen oder einer Immunschwäche werden vermutlich zuerst geimpft werden; bis wir alle geschützt sind, könnte es Herbst 2021 werden. Die aktuell gültigen Beschränkungen werden langsam gelockert werden müssen, aber hier das richtige Maß zu wahren, wird noch einmal schwierig. Hoffen wir, dass möglichst viele Kollegen unter Künstlern, Bildbearbeitern und Fotografen die nötige Phase des „lock-down“ wirtschaftlich überleben.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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4 Kommentare

  1. Mit einem Impfstoff könnte es noch dauern, normalerweise zieht sich so eine Entwicklung ein paar Jahre. Obendrein gebe ich zu bedenken, daß sich das Robert Koch Institut z.B. in der letzten Geschichte mit SARS eher blamiert hat, als professionell abzuliefern. Ich rate daher an, sich auch aus anderen Quellen zu informieren. Hier beispielsweise etwas von einem Schweizer Arzt, wird täglich ergänzt, sehr viele Hintergrundinfos mit Quellen.
    https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/

    1. Es könnte diesmal schneller gehen, weil der Leidensdruck weitaus grösser ist, als wenn es um Impfstoffe geht, die Krankheiten von ein paar Gegenden in Afrika betreffen (tja, so ist das leider). Es gibt offenbar bereits Prototypen, die nun klinisch getestet werden. Einer davon wurde am Inselspital in Bern entwickelt. Die hatten bereits im Januar mit der Entwicklung begonnen. Natürlich ist es noch ein ordentlicher Schritt von Impfstoff haben und Impfstoff in ausreichenden Mengen herstellen. Auch die Verteilung und die Durchführungen der Impfung brauchen ihre Zeit. Aber ich bin jetzt mal vorsichtig optimistisch, was soll man denn sonst sein um nicht depressiv zu werden?

  2. Sehr gut!
    Bemerkung: Es ist verhängnisvoll, das die Regierung eine Zusammenarbeit mit China und Kuba ablehnt. China hat Erfahrung mit dem Umgang. Kuba hat ein Mittel um die Abwehrkräfte der Lunge zu stärken und somit ein Überleben zu ermöglichen. Italien, Spanien und noch weitere 80 Länder nehmen die Unterstützung an. Steckt die Pharmaindustrie dahinter?

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