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Digitalfotos: Warum entwickeln?

Wer jahre- oder jahrzehntelang auf Film belichtet hat, stört sich oft am fehlenden Charme digitaler RAWs. Schlicht, weil die zu realistisch aussehen.


Dabei ist es doch ganz logisch: Jede Filmemulsion hat die Bilder auf ihre ganz spezielle Weise verändert, hat ihnen einen Look gegeben, und das möglichst subtil, damit der unbedarfte Fotograf den Eindruck hatte, die Farbigkeit läge an seinem fotografischen Auge. Profis waren sich der Beeinflussung durch die Filme natürlich bewusst und setzten sie gezielt für ihre Zwecke ein. Das ist auch der Grund, warum viele von ihnen heute über Farbmanagement und vermeintlich neutrale Farbigkeit lachen. Dies aber ist ein anderes Thema. In der Digitalfotografie wird selbstverständlich auch schon im Fotoapparat manipuliert. Jedes JPEG ist nicht nur komprimiert, sondern wurde im Vorfeld farblich und im Hinblick auf die Kontraste moderat abgestimmt und nachgeschärft.

RAW-Bilder kommen ohne diese Eingriffe aus, da sie nicht in der Kamera, sondern erst im Rechner entwickelt werden. Von daher ermangelt es ihnen in der unbearbeiteten Fassung oft an Charme. Der Bildbearbeiter kann drei grundlegende Strategien bei der Entwicklung nutzen. Die meisten entscheiden sich für eine Standard-Entwicklung im Stapelmodus und erledigen den Rest der Abstimmung dann in Photoshop. Das ist der einfachste, aber nicht unbedingt der beste Weg. Qualitätsfanatiker holen alles aus dem digitalen RAW-Negativ heraus, indem sie es vor der Umwandlung in ein TIFF im RAW-Konverter finetunen. Die dritte Fraktion sieht die Möglichkeiten des Konverters als eine Art Photoshop-Ersatz und nutzt die RAW-Werkzeuge, um gleich mehrere Varianten eines Bildes zu erzeugen.

Dieser Artikel ist ein Auszug des Premium-Workshops aus DOCMA 44, der auf 12 Seiten den ganzen Workflow erklärt, mit dem Fine-Art-Fotografen das Optimum aus ihren Bildern herausholen.
Mehr zu Heft 44

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