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Gastbeitrag: Warum ppi und nicht ppcm?

Unter: Blog
Von:

Thomas Waldraff fragt sich, warum man Auflösung immer mit amerikanischen Maßen erklären muss, zu denen hierzulande kaum jemand ein Verhältnis hat.

Die Auflösung für Bilder mal eben zu erklären funktioniert wohl nur, wenn man sich auf Plattitüden wie »72ppi für Nonprint-Anwendungen« und »300ppi für Print-Anwendungen« einlässt. Ersteres ist komplett falsch und letzteres in den (aller-)meisten Fällen nicht notwendig. – Vielen Dank dafür, dass man soetwas in DOCMA 59 in klaren Worten erklärt bekommt, das geschieht leider viel zu selten– genaugenommen, praktisch so gut wie gar nicht.

Besonders schön wäre es jedoch gewesen, wenn in der DOCMA nicht der »krumme« Wert 254 ppi (Pixel pro Inch) verwendet, sondern 100 ppcm (Pixel pro Zentimeter) vorgestellt worden wäre.
Könnten man nicht fragen: Wann hören wir endlich auf, das rückständige, uns irritierende und ohnehin ungültige Maßsystem Inch zu verwenden? Es gibt nur drei(!) Länder auf der Welt – Liberia, Myanmar und die USA – welche aktuell das metrische Einheitensystem »SI« nicht als offizielles System eingeführt haben – u.a. nachzulesen im »CIA World Factbook«.
Praktisch alle Deutschen werden die Abmessungen ihrer Arbeiten rein metrisch angehen. Die Bildabmessung in Zentimeter, warum also die Bildauflösung in Inch? Kein Wunder, dass ein Verständnis dieser Thematik schwerer fällt. Nehmen wir für alles etwa Zentimeter, und als Richtauflösung die angesprochenen 100 ppcm (auch: cm?¹), teilen wir Pixel lediglich durch 100, bzw. verschieben das Komma zwei Stellen nach links und wissen deshalb sofort (und sofort warum), dass 4000 Pixel 40 Zentimeter ergeben.
Das ist ja gerade das Geniale daran: Wir verstehen die Bildauflösung besser, haben einen geraden, glatten Orientierungswert und können kinderleicht von den Pixelabmessungen eine qualitativ hochwertige Ausgabegröße ermitteln.

Warum ist eine Auflösung von 100 cm?¹ ein brauchbarer Richtwert? Die Sehschärfe der meisten Menschen liegt unter einem Visus von 1,0 (unsere Fachliteratur rechnet gar nur mit 0,7 – nebenbei die Mindestanforderung etwa für einen Führer- oder Pilotenschein), bei diesem, in Verbindung mit einem typischen Betrachtungsabstand von 35 cm für bequemes Lesen, liegt das Auflösungsvermögen des Auges bei 98,2 cm?¹: Voilà (bei einem Meter nur noch 34,4 cm?¹, bzw. 87,3 ppi, das geht recht zügig nach unten).

Vielleicht wäre es ja in Zukunft ein fruchtbares Gegengewicht: dem dogmatischen Gebrauch von 300 ppi Bildauflösung docmatische 100 ppcm entgegenzusetzen. 🙂

Zum Qualitätsfaktor: Dieser hat immer noch seinen Sinn, jedoch, in der Tat, für den Bildbearbeiter nur, wenn man mit ihm umzugehen weiß und diese Feinheiten wirklich benötigt. Dabei geht es um die Digitalisierung analoger Information oder um Rasterpunktaufbau aus Halbtönen. Aber nicht um einen Skalierungsspielraum für’s Layouten. Obwohl ich die Entwicklung kenne, hat es mich immer geärgert, wenn so zwei verschiedene Sachverhalte in einen Topf geworfen werden und damit nur weitere Verwirrungen erzeugen.
Irritiert bin ich bei der Aussage, dass ich für eine vergleichbare Bildrotation in einem Layoutprogramm, im Unterschied zu Photoshop, die doppelte Pixelanzahl benötige. Das würde ich technisch gerne genauer wissen, denn ich kann mir das so für die Allgemeinheit nicht vorstellen.

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