RSS

„Ganz professionell“, und 21 Jahre alt

In folgender E-Mail-Korrespondenz erfahren Sie, wie längst überholte Bücher bisweilen zu ganz neuen Ehren kommen.

Hallo Doc Baumann,
amüsiert beobachte ich seit Jahren, wie neue Photoshop-Hefte am Kiosk erscheinen und nach ein paar Monaten wieder verschwinden … während meine geschätzte DOCMA seit 13 Jahren unbeirrt ihren Weg geht. Weiter so!
Nun steht also mal wieder ein neues „Photoshop-Magazin“ in den Regalen. Beim Durchblättern am Bahnhof (das reichte völlig aus) entdeckte ich zu meiner Verwunderung unter „Künstlerisch arbeiten mit Photoshop – ganz professionell“ die Vorstellung eines Buches aus Ihrer Feder „Handbuch digitaler Bild- und Filtereffekte“. Das steht auch in meinem Regal. Und wie ich beim Nachschauen zu Hause entdeckte: Bereits seit 20 Jahren! Beachtlich, wie gut Ihre Kollegen da recherchiert haben, indem sie den Lesern ein hoch aktuelles Buch von 1993 empfehlen.
Mit belustigten Grüßen, Günter Schäfer

Hallo Herr Schäfer,
vielen Dank für die interessante Entdeckung. Mit Ausnahme von Photoshop existiert leider kein Programm mehr, das ich 1993 in diesem Band vorgestellt habe. Eine Bewertung von Mitbewerbern möchte ich mir aus Gründen höflicher Kollegialität versagen.
Allerdings bin ich für diese freundliche PR auch nicht unbedingt dankbar – wer sich das Buch tatsächlich besorgt und nicht auf das Erscheinungsjahr schaut, muss glauben, ich sei in Fragen der Bildbearbeitung („ganz professionell“) nicht auf dem Laufenden.
Das Buch selbst hat man sich vor der „Besprechung“ wohl kaum angeschaut; der Rezensions-Text wurde komplett von der Webseite des Verlages übernommen:
„Werbegrafiker, DTPler, Fotografen und alle, die Abbildungen und Illustrationen mit dem Computer herstellen, benutzen Mal- und Retuscheprogramme. Diese Programme enthalten eine große Zahl von Werkzeugen (Filter), mit deren Hilfe es möglich ist, Bilder und Fotos in unterschiedlichster Weise zu erzeugen, zu bearbeiten und zu verfremden, deren Anwendung jedoch umfangreiche Spezialkenntnisse voraussetzt …“
Ob wohl heute noch irgend jemand weiß, was ­DTPler sind? Auf jeden Fall habe ich  – vielen Dank! – auf diesem Umweg erfahren, dass der Heidelberger Springer-Verlag mein Buch weiterhin vertreibt, ohne dass er mich jemals um Zustimmung gebeten und mir dafür Autoren­honorar gezahlt hätte.
Doc Baumann

Mitdiskutieren