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Workshop: UFO faken



„UFO-Fotos faken“ lautete das Thema des DOCMA-Awards 2004. Das UFO, das hier blitzeschleudernd aus den Wolken herabtaucht, war ursprünglich ein Stövchen zum Warmhalten von Teekannen, das ich leicht bearbeitet und in der Höhe gestaucht habe. Die Vordergrundszene blieb weitgehend unverändert, lediglich das Verkehrsschild mit dem einmontierten Schriftzug stammt aus einem anderen Foto. Im Hintergrund erhob sich im Original der Peche Cardou, ein Berg in Südfrankreich. Die Wolken wurden nicht nur einem weiteren Bild entnommen – ihr seltsames Aussehen verdanken sie der Tatsache, dass ich sie aus dem Flugzeug fotografiert und dann auf den Kopf gestellt habe. Der Blitz entstand unter Einsatz von „Lightning“ aus der KPT Collection, die Blendenflecke mit KPT „LensFlare“.

Weitere Möglichkeiten, ein UFO-Foto zu faken, zeigt Ihnen dieser Workshop.


Hinweis: Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken.



1 Altes Foto

Diese Aufnahme aus meinem Archiv ist tatsächlich recht alt – ausnahmsweise mal kein zeitgenössisches Foto, das mit Hilfe von Photoshop um hundert Jahre in die Vergangenheit versetzt wurde. Es zeigt ein bekanntes touristisches Motiv: die spanische Treppe an der Piazza Espagna in Rom. Für diesen Workshop ausgewählt habe ich das Bild, weil es einerseits ein ausreichend großes Stück Himmel enthält und andererseits mit den beiden Kirchtürmen architektonische Objekte, welche ein einmontiertes UFO zum Teil verdecken können. Das hilft bei einer glaubwürdigen Tiefenstaffelung.



2 Stövchen und Freistellungspfad

Bei der Suche nach geeigneten Objekten, die UFOs darstellen könnten, stieß ich im Küchenschrank auf dieses Unterteil eines Stövchens zum Warmhalten der Teekanne. Bei den vielen gefakten Fotos fliegender Untertassen, die im Laufe der letzten 55 Jahre durch die Presse geisterten, waren Radkappen oder Staubsauger recht beliebt (was die Identifizierung als Fälschung stark erleichtert – sofern man nicht davon ausgeht, Außerirdische nähmen ehrfurchtsvoll die Staubsauger der Erdbewohner als Vorlage für ihre Fluggeräte). Obwohl ich sonst Ebenenmaske und Pinsel als Werkzeuge zum Freistellen bevorzuge, bot sich bei den geschwungenen, gleichmäßigen Konturen dieses Objekts das Pfadwerkzeug an.



3 Pfad, Auswahl, Maske

Im nächsten Schritt kam dann aber doch noch die Ebenenmaske zum Einsatz, nachdem ich zuvor die Hintergrundebene durch doppeltes Anklicken des Ebenen- Icons in der Ebenen-Palette zu einer normalen Ebene umgewandelt hatte (die also auch transparente Bereiche sowie eine Ebenenmaske enthalten darf). Anklicken des Icons mit der Funktion „Pfad als Auswahl laden“ in der Mitte der Fußzeile der Pfade-Palette bewirkt die genannte Operation. Im nächsten Schritt weisen Sie der Auswahl eine weiche Kontur zu: Strg-/Befehlstaste, Alt-/ Optionstaste und D. Geben Sie – abhängig von der Dateiauflösung – eine weiche Kantenzone von etwa zwei Pixel ein. Anklicken des zweiten Symbols von links in der Ebenen-Palette macht aus der Auswahl eine Ebenenmaske, die den ausgewählten Bereich schützt.



4 Ebenenmaske nachbearbeiten

Bei Freistellern von Objekten mit einer nicht völlig scharfen Kante – und das sind nur wenige – sollten Sie die Ebenenmaske sehr viel feiner als durch Ausweiten oder Schrumpfen um ein Pixel regulieren. Kleinere Maßeinheiten gibt’s aber nicht? Theoretisch richtig, praktisch nicht: Wenn Sie die weich begrenzte Ebenenmaske mit der Tonwertkorrektur behandeln und Weißsowie Schwarzpunkt an geeigneter Stelle dicht aneinander schieben, können Sie die Maske sehr exakt und mit Sichtkontrolle anpassen. Wegen der Schärfentiefe darf sie in den unscharfen Zonen weicher bleiben.



5 Farbe anpassen

Wie Sie in Abbildung 2 erkennen, gibt es wegen Reflexen im polierten Metall des Objekts einige schwache, aber dennoch störende Reflexe aus der Umgebung, die sich in diesem Fall blau vom Rest abheben. Die am einfachsten Erreichbaren habe ich zunächst mittels des Befehls „Farbbereich auswählen“ aus dem Auswahl-Menü ermittelt; die Option „Aufgenommene Farben“ mit manueller Regelung der Toleranz ist hier die beste Lösung. Mittels „Farbton/Sättigung“ passte ich die Reflexionen der restlichen Metalloberfläche an.



6 Stempel und Pinsel

Noch immer gab es danach einige farbige Spiegelungen, die mit dieser Methode nur sehr aufwendig zu entfernen wären. Zu ihrer Entfernung wählte ich zunächst den Pinsel und stellte ihn auf den Wirkungsmodus „Farbe“ ein. Dann wählte ich mit gedrückter Alt-/Optionstaste benachbarte Farben aus und überstrich die störenden Farben damit. Wenn die Wirkung zu stark wird, machen Sie den Eingriff zunächst rückgängig, danach versuchen Sie es mit einer anderen Farbe und/oder mit reduzierter Deckkraft. Sollten dann immer noch unpassende Stellen übrig sein, verwenden Sie den Stempel, wobei auch bei diesem Werkzeug eine verringerte Deckkraft zu empfehlen ist.



7 Maske für Öffnungen

Da sich die Öffnungen des Stövchens geradezu als Fenster des UFOs anbieten, sollten sie gesondert behandelt werden. Ich habe dafür das folgende Verfahren gewählt: Suchen Sie den Farbkanal, in dem sich die schwarzen Öffnungen am deutlichsten von ihrem Umfeld unterscheiden. Duplizieren Sie ihn als neuen Alpha-Kanal und invertieren Sie ihn zum Negativ. Verschieben Sie die Regler von Schwarz- und Weißpunkt der Tonwertkorrektur, bis die Öffnungen deutlich isoliert sind. Wählen Sie mit „Farbbereich auswählen“ Weiß mit geringer Toleranz, die resultierende Auswahl kehren Sie um und füllen mit Schwarz. Eventuell trotzdem verbleibende weiße Pixel übermalen Sie mit schwarzem Pinsel.



8 UFO einkopieren und färben

Das künftige UFO unter Ausschluss seiner Öffnungen wählen Sie aus, indem Sie die Ebenenmaske mit gedrückter Strg-/Befehlstaste anklicken, dann die Öffnungen davon subtrahieren: durch Anklicken des entsprechenden Alpha-Kanals mit gleichzeitig gedrückter Strg-/Befehlstaste und Alt-/Optionstaste. Das Einsetzen in das alte Foto hinter dort sichtbare Gebäude können Sie vorbereiten, indem Sie den Himmel auswählen – per Zauberstab und manueller Nachbearbeitung – und „In die Auswahl einsetzen“, was automatisch eine nichtverknüpfte Ebenenmaske erzeugt. Zur farblichen Anpassung wählen Sie für die UFO-Ebene „Verlaufsumsetzung“ mit Farben, die Sie aus dem Hintergrund entnehmen; „Gleiche Farbe“ ist hier weniger geeignet.



9 Filter „Körnung“

Sie können die im letzten Schritt vorgenommene Anpassung noch überzeugender gestalten, indem Sie die Verlaufsumsetzung mit Farben, die Sie aus dem Bild entnehmen, erst am Ende nach Vereinigung der Ebenen vornehmen. Es empfiehlt sich, den dunkelsten, hellsten und einen mittleren Ton für die Verlaufsmarkierungen zu entnehmen. Zu weiterer visueller Vereinheitlichung – wenn auch verbunden mit einer qualitativen Verschlechterung des Bildes – trägt es bei, zum Beispiel mit dem Strukturierungsfilter „Körnung“ in der Variante „klumpig“ zu arbeiten. Da der Effekt bei passenden Parametern zu ausgeprägt erscheint, nehmen Sie den Filtereinsatz anschließend durch „Filter verblassen“ im Modus „Überlagern“ (früher: Ineinanderkopieren) bei 50 Prozent Deckkraft zurück.



10 Tiefen/Lichter

Dieser Filter hat zwar alle Bereiche des Fotos mit einer – an alte Aufnahmen erinnernden – Struktur überlagert und so zu einem einheitlichen Erscheinungsbild beigetragen, die Tiefen sind dadurch aber zu dunkel geworden. Das phantastische neue CS-Werkzeug „Tiefen/Lichter“ sorgt dafür, dass die Tiefen ohne Beeinflussung der Lichter leicht aufgehellt werden. Bei genauerem Hinsehen erkennen Sie, dass ich zudem die zu helle Unterseite des UFOs abgedunkelt habe.



11 UFO mit Illustrator CS

Wer in Küchenschrank oder Garage nicht das passende Vorbild für sein UFO findet, kann ein 3D-Programm heranziehen und damit sehr viel phantasievollere Objekte erschaffen. Eine Zwischenlösung für Besitzer des neuen Illustrator CS stellt das dort verfügbare 3D-Werkzeug dar, mit dessen Hilfe Sie eine passend entworfene Form rotieren und mit Beleuchtung versehen können. Gegenüber echter 3D-Software sind die Möglichkeiten zwar beschränkt, aber nach Vertrautwerden mit dem Tool ist vieles realisierbar. Das fertige Objekt wurde einfach per „Kopieren“ und „Einsetzen“ in Photoshop übernommen und in der zuvor beschriebenen Weise der Szene der Piazza del Popolo in Rom angepasst. Hilfreich für eine glaubwürdigere Anmutung eines alten Fotos ist zum Beispiel das Hinzufügen eines Knicks, der sowohl alte wie neue Bereiche des Bildes betrifft.



12 3D-Objekt

Dieses Objekt mit einer eher untypischen UFO-Gestalt habe ich in der 3D-Software Bryce zusammengefügt. Alle weiteren Eingriffe erfolgten in Photoshop. Die glühende Spitze etwa entstand so: Objekt als Auswahl laden, Auswahl erweitern, weiche Auswahlkante hinzufügen, neue Ebene anlegen, mit sehr großer, weicher Pinselspitze und reduzierter Deckkraft Rot auftragen. Der große Kondensstreifen und die kleinen Varianten an den Spitzen entstanden mit dem Pinsel unter Einsatz der Brush-Engine mit verschiedenen Einstellungen.



13 Brooklyn Bridge

Schauen wir uns zum Abschluss dieser Anregungen zum Montieren eigener UFO-Fakes noch ein weiteres Beispiel an, bei dem das auf den Kopf gestellte Stövchen nun vor einem zeitgenössischen Hintergrund eingefügt wird. Da solche Fakes nun mal häufig in den USA aufgetaucht sind, verwende ich ein Bild, das ich vor ein paar Jahren von der Brooklyn Bridge aufgenommen habe. Die vielen Elemente der Brückenkonstruktion eignen sich vor dem hellen Himmel gut zum einfachen Freistellen; wie zuvor gezeigt wirkt eine solche Montage auf die Betrachter glaubwürdiger, wenn das UFO zum Teil von Vordergrundobjekten verdeckt wird. Und je differenzierter diese sind, um so besser.



14 UFO einmontiert mit Ebenenmaske

Bei Bildern wie diesem können Sie eine geeignete Ebenenmaske (unten links) durch Kopie und Nachbearbeitung des kontrastreichsten Alpha-Kanals, mit „Farbbereich auswählen“ oder kombinierten Verfahren erzielen. Was dabei außerhalb des Bereichs geschieht, in den Sie später das UFO einfügen wollen, ist unwichtig, da sich die Maske dort ja nicht auswirkt. Insofern müssen solche Stellen auch nicht nachgebessert werden. Ich habe hier zusätzlich das aus den Öffnungen dringende Licht leicht bläulich verfärbt.



15 Maschendrahtzaun

Auf einem Fotos aus etwas anderer Perspektive hatte ich die Brücke durch einen Maschendrahtzaun fotografiert. Das brachte mich auf die Idee, einen solchen zusätzlich im Vordergrund einzuziehen. Kaum jemand würde sich die Mühe machen, eine so aufwendige UFO-Montage zu machen, wenn der Draht tatsächlich dort gewesen wäre. Ich habe einen solchen Zaun als Wiederholungselement gespeichert und wandte ihn als Musterfüllung auf eine neue, zuoberst eingefügte Ebene mit dem Wert Null für „Fläche“ an. Um ihn nicht zu gleichmäßig erscheinen zu lassen, wurde er durch „Verflüssigen“ leicht verbogen und später mit einer gruppierten Strukturebene eingefärbt.



16 Zuletzt die leichteste Lösung

Optimal für die Übereinstimmung von Szenen- und Objektbeleuchtung sind Modifikationen im Foto bereits vorhandener Gegenstände. Hier musste ich lediglich den Pfosten der Lampe retuschieren und den Strahlerkopf freistellen. Fertig ist die UFO-Fälschung. Natürlich kann man noch etwas mehr Arbeit hineinstecken: Ich habe das Element zusätzlich skaliert und Strahlen aus den Öffnungen hervortreten lassen, die nun als Triebwerke fungieren. Da es hier nichts gab, was das UFO teilweise verdecken könnte, griff ich auf ein weiteres Bild aus meinem Archiv zurück, das einen Vogelschwarm vor hellem Himmel zeigt. (Nichts geht über eine gut verschlagwortete Bilddatenbank!) Mit ein paar Handgriffen flattern die erschreckten Vögel auf.

von Doc Baumann