Workshop: Steinstruktur
Vor einigen Monaten erhielt ich von einer Firma den Auftrag, eine vier Quadratmeter große Grafik anzufertigen, die als Montage zu bezeichnen eigentlich tiefgestapelt wäre. Vier Porträts sollten an Stelle der berühmten amerikanischen Präsidentenköpfe in die Felswand des Mount Rushmore eingefügt werden. Das Problem dabei: Die vier Einzelporträts waren aus unterschiedlichen Richtungen beleuchtet, die wiederum nicht mit der Beleuchtung der Szene aus South Dakota übereinstimmten. Außerdem paßte die Perspektive nicht, da ich Fotos in leichter Untersicht benötigt hätte statt einer Frontalansicht.
Die aufwendige Lösung: Ich baute die Köpfe einigermaßen genau in Poser nach, exportierte sie in Bryce und malte nach dieser Vorlage Licht und Schatten manuell ins Photoshop-Bild. Das Ganze wurde dann noch mit einer Meißelstruktur überlagert. Arbeitszeit: Ungefähr eine Woche! Zum Glück ist die Anfrage von Hans etwas einfacher zu lösen:
Hallo,
folgendes Problem stellt sich für mich: Ich habe zwei Bilder. Ein Portrait und ein Bild von einem Stein. Ich möchte nun beide Bilder so übereinander legen, dass der Schein/Eindruck entsteht, dass das Gesicht nicht aus der „normalen“ Haut besteht, sondern aus Stein. Wenn man sich dieses Bild ansieht, könnte man meinen, dass der Körper aus Stein „gemeißelt“ ist.Was ich nicht meine ist, 2 Ebenen „ineinander kopieren“, etc. wie sie als Ebenen-Effekte zur Verfügung stehen. Ich bin mir sicher, dass hierfür keine 3D-Programme notwendig sind. Wenn Ihr mir hier weiterhelfen könntet, wäre ich Euch sehr dankbar, da ich bereits vieles probiert habe.
Mit freundlichem Gruß
Hans-D. Kaden
Eins muß gleich festgehalten werden: Eine exakte Lösung dafür gibt es in Photoshop nicht, weil das in der Tat eigentlich ein 3D-Problem ist. Bei einer unregelmäßigen Struktur wie Stein fällt es nicht so sehr auf, daß das Ergebnis nicht stimmt – würde man mit einem kleinen Schachbrettmuster arbeiten, wäre es nicht zu übersehen, daß die Struktur nicht wirklich der Plastizität des Objekts und seiner Oberfläche folgt, sondern eben doch nur aufgetragen ist. (Ein Lösungsweg, wie sich das unter Einsatz von „Verflüssigen“ zumindest einigermaßen angleichen läßt, folgt am Ende des Workshops.)
Es gibt etliche geeignete Verfahren für dieses Problem, wenn man mit einem ungefähr stimmigen Ergebnis zufrieden ist und nicht tatsächlich 3D-Lösungen probieren will. Sie können zum Beispiel das leicht weichgezeichnete Porträt in einen Alphakanal der Steinstruktur-Datei legen und dann den Filter „Beleuchtungseffekte“ anwenden, wobei Sie das Porträt als Reliefkanal wählen.
Eine andere Lösung besteht darin, bei identischer Größe von Porträt und Strukturbild das Porträt als Graustufenbild im Photoshop-Format zu sichern und als Matrix mit dem „Versetzen-Filter“ auf das Strukturbild anzuwenden: Dessen Pixel werden dann in Bezug auf die Helligkeitswerte der Porträt-Dartei verschoben. Die Ergebnisse sehen allerdings notgedrungen eher aus wie Flachreliefs als wie plastische Figuren.
Sie können auch die Struktur vorher ungefähr der Form des Porträts anpassen, indem Sie es mit dem Rendering-Filter „3D-Transformieren“ bearbeiten, damit die Strukturverzerrung etwas besser paßt. Besser ist da allerdings das Verfahren unter Einsatz von Photoshops „Verflüssigen“-Filter: Wie die Abbildungen 14 und 15 zeigen, legen Sie die Struktur auf eine Ebene unterhalb des – freigestellten – Porträts, öffnen „Verflüssigen“ und blenden das Porträt sichtbar ein. Nun können Sie vor allem mit den Werkzeugen zum Wölben und Zusammenziehen Strukturbereiche dehnen und schrumpfen lassen – Stirn, Wangen, Nase und Lippen etwa treten leicht hervor, die Augenhöhlen und der Bereich unter dem Kinn dagegen zurück. Damit modellieren Sie den Stein entsprechend der Form.
Eine vergleichsweise einfache Lösung besteht darin, die Struktur in voller Größe als Muster zu sichern und mit den Ebeneneffekten auf das Bild als Musterfüllung und Relief anzuwenden. Andere Ebeneneffekte und Ebenenüberlagerungen helfen dabei, das Ergebnis realistischer aussehen zu lassen. Die genaue Vorgehensweise ist bildabhängig: Es ist wichtiger, sich durch Anregungen auf weiterführende Ideen bringen zu lassen, als die Schritte exakt nachzubauen.
Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken.
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1 Porträt
Für diesen Workshop habe ich eine Aktaufnahme verwendet, um daran zu demonstrieren, wie sich menschliche Haut überzeugend mit einer Steinstruktur überlagern läßt. Eigentlich ist es völlig egal, welches Motiv Sie wählen, so lange es ein relativ kompaktes Objekt ist.
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2 Foto mit Steinstruktur
Dasselbe gilt für das Material, aus dem das Objekt anschließend scheinbar bestehen soll. Ich habe hier die Aufnahme einer Felsfläche gewählt, die nicht all zu glatt ist, damit sich der Effekt hinterher besser erkennen läßt. Sie können natürlich auch einfach das Foto einer glatten Marmorplatte nehmen, aber dann besteht die Gefahr, daß reine Farbunterschiede des Steins bei der Anwendung als Tiefeninformation wirken.
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3 Freistellen des Motivs
Da wir nicht einfach ein Flachrelief erzeugen wollen, sondern etwas mit stärkerer Tiefenwirkung, empfiehlt es sich, das Objekt zunächst freizustellen. (Nein, die Bezeichnung „Objekt“ ist kein Indiz für Frauenfeindlichkeit, sondern bezieht sich auf alles, das mit einer bestimmten Struktur zusammengebracht werden soll.) In einem solchen Fall sollten zum Beispiel Haare nicht zu sauber bearbeitet werden – das paßt nicht.
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4 Steinstruktur als Muster sichern
Die beiden Bilder – also hier Porträt und Steinstruktur – sollten dieselbe Größe aufweisen. Wählen Sie in der Stein-Datei „Alles“ aus und gehen Sie zu „Bearbeiten>Muster festlegen“. Geben Sie dem neuen Muster einen Namen. Es erscheint danach in der Muster-Palette, wo immer diese aufgerufen werden kann. Aus Speichergründen sollten Sie das Muster nach Projektende wieder aus der Palette löschen.
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5 Ebenenstil Musterüberlagerung
Rufen Sie für die Ebene mit dem freigestellten Objekt die Ebenenstile auf. Wählen Sie als ersten „Musterüberlagerung“; in der nach Anklicken sich öffnenden Musterpalette dann das Feld mit der Steinstruktur. Diese überdeckt zunächst das Foto völlig. Reduzieren Sie daher die Deckkraft der Musterüberlagerung und/oder wählen Sie einen anderen Verrechnungsmodus, der zum Motiv paßt.
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6 Ebenenstil Farbüberlagerung
Im nächsten Schritt verleihen Sie dem Bild eine einheitliche Färbung, weil es ja nicht so aussehen soll, als habe eine reale Person eine wie Stein wirkende Haut gebildet – kann man natürlich auch machen –, sondern weil das Material Stein auf das Objekt angewandt werden soll. Der Verrechnungsmodus ist „Farbe“, die Deckkraft leicht reduziert. Sie können auch eine Ebene mit dem Steinbild in „Farbe“ überlagern.
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7 Ebenenstil Abgeflachte Kante und Relief
Nun kommt das Steinmuster zum zweiten Mal zum Einsatz. Diesmal öffnen Sie es unter „Struktur“ von „Abgeflachte Kante und Relief“ (oben). Dann wechseln Sie zum oberen Teil des Einstellfeldes und geben dort die Parameter ein, die festlegen, wie sich die Helligkeitswerte des Musters auf eine räumliche Darstellungsweise des Objekts auswirken. Achten Sie darauf, daß das Objekt noch gut erkennbar bleibt.
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8 Ebenenstile angewandt
So sieht das Bild aus, wenn die kombinierten Ebenenstile bestätigt werden. Ich habe den Stil in diesem Fall einfach auch auf die ockerfarbe-ne Ebene darunter dupliziert, um das Bild einheitlicher aussehen zu lassen. Die Strukturübertragung ist zufriedenstellend, allerdings ist das Porträt nur noch schlecht zu identifizieren. Zu starkes Zurücknehmen der Struktur dagegen würde den Effekt unerwünscht abschwächen.
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9 Schatten und Reliefwirkung
Um die Figur stärker hervorzuheben, habe ich die Ebene mit der freigestellten Frau dupliziert und der oberen Ebene bei „Fläche“ (unter „Deckkraft“) den Wert Null zugewiesen. Dann wandte ich auf diese Ebene „Schlagschatten“ und „Relief …“ an. Das Bild selbst bleibt auf diese Weise ohne Auswirkung, während die beiden Ebeneneffekte sichtbar sind und die Figur plastischer erscheinen lassen.
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10 Luminanz-Ebene
Um wieder etwas mehr Detailzeichnung zu erhalten, wurde die Ebene mit dem Porträt ein weiteres Mal dupliziert. Diesmal erhielt sie den Modus „Luminanz“. Dabei wirken sich nur ihre Helligkeitswerte auf die Ebenen darunter aus. Da eine Übertragung der vollen Werte zu stark gewesen wäre, wurde die Deckkraft auch hier wieder angemessen zurückgenommen. Der Wert hängt vom jeweiligen Projekt ab.
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11 Ebenenaufbau
Hier sehen Sie noch einmal alle beteiligten Ebenen und Ebenenstile der Datei. Unten der Hintergrund mit den hinzugefügten Ebenenstilen, die dieselben sind wie bei der ersten Ebene mit der Frau darüber. Ein Duplikat dieser Ebene (aktiviert und blau unterlegt) enthält die Luminanzinformation, die Ebene ganz oben schließlich beeinflußt die plastische Wirkung durch Licht- und Schatteneffekte.
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12 Freistehende Figur
Weisen Vorder- und Hintergrund ähnliche Farben und Strukturen auf, erscheint das Resultat doch eher wie ein Relief. Soll dagegen eindeutiger eine freistehende Figur dargestellt werden, muß zunächst ein anderer Hintergrund eingefügt werden. Ich habe hier eine Szene aus einem Park ausgesucht. Die bei einem Relief angemessenen Schattenränder unten und rechts stören nun allerdings.
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13 Ebenen aufgeteilt
Im Ebenen-Menü finden Sie unter „Ebenenstil“ ziemlich weit unten den Eintrag „Ebene erstellen“. Das bedeutet, daß alle angewandten Effekte und Stile, soweit sie sich übersetzen lassen, in eigene Ebenen umgewandelt werden. Ich habe das hier mit der obersten Ebene gemacht; nach dem Aufsplitten gibt es eine Ebene, die die dunklen Bereiche entlang der Konturen enthält. Diese werden einfach wegradiert.
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14 Verflüssigen-Gitter
Ich hatte auf Seite 2 ein weiteres Verfahren erwähnt, mit dem sich eine Struktur überzeugender auf einen Körper übertragen läßt: Sie wenden den „Verflüssigen“-Filter auf die Struktur-Ebene an, blenden dort die darüber liegende Objekt-Ebene ein, und arbeiten Sie mit den Wölben- und Schrumpfen-Werkzeugen die Plastizität des Objekts heraus. Das Verzerrungsgitter zeigt den Eingriff etwa bei Schultern und Brüsten.
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15 Verflüssigen angewandt
Bei einer solch unregelmäßigen Struktur fällt die Oberflächenanpassung weniger auf als bei einem sehr regelmäßigen Muster (vgl. unsere Printausgabe, Heft 01, S. 65). Zusätzlich habe ich hier das Bild mit der Steinstruktur als eigenständige Ebene eingefügt und auf den Verrechnungsmodus „Farbe“ gesetzt. Negativ fällt an der Montage auf, daß Elemente wie Haarsträhnen dem Steincharakter nicht entsprechen.
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16 Mount-Rushmore-Montage
Im Original ist diese Grafik mehr als vier Quadratmeter groß; selbst die Vergrößerung unten rechts zeigt die Strukturen nur unzulänglich. Dies ist die auf Seite 2 erwähnte Auftragsgrafik, bei der vier Porträtfotos in die Felswand des Mt. Rushmore einbettet wurden. Der Ausschnitt läßt erkennen, daß ich dabei versucht habe, sogar die einzelnen Meißelspuren der Bearbeitung der Steinköpfe wiederzugeben.




















der hier aufgezeigte weg, ist einer!
üblicherweise finde ich Deine Tipps ja immer überzeugend - im Fall Steinstruktur ist es aber nur teilweise der Fall.
Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass es keine exakte Lösung dafür gibt.
Was ich an diesem Workshop nicht gelungen finde, ist, dass Du nicht auf das Portraitbild eingehst.
Meiner Meinung nach ist es nicht das Wichtigste, wie die Textur auf das Portrait kommt, sondern wie das Portraitbild selbst aussieht. Bei dem von Dir genutzten Motiv wird es ohne Retusche immer "übereinandergelegt" aussehen.
Wo muss retuschiert werden? Problembereiche sind die Haare, die Augen, die Zähne, die Lippen und die Brustwarze.
Kurz gesagt: alles Feingliedrige und was sich farblich abhebt. Also das, was der Steinmetz nicht in Stein hauen kann.
Er kann (solange er seine Statue nicht anmalt) die Zähne oder das Weiß in den Augen nicht weiß meißeln - also hat seine Statue (meist) einen geschlossenen Mund und das Auge ist nur eine Wölbung. Auch die rötliche Farbe von Lippen und Brustwarzen kann er mit seinen Werkzeugen nicht in Stein hauen, selbst wenn er vor Anstrengung knallrot wird. Haare sind eigentlich nur Stränen, also eine Abwechslung von Licht- und Schattenbereichen.
Mein Fazit:
Grundvorraussetzung ist ein "steinmetzmäßig" retuschiertes Portraitbild, erst danach kann man an die Textur gehen. Obwohl selbst kein Steinmetz, würde ich für die in Stein gehauene nackte Frau wohl nur den feinsten Marmor nutzen.
Meine SchnellVersion (ca. 1 h)
www.weller-net.de/docma/portrait.jpg
Gruß
Thomas
Meiner Meinung nach ist das eher ein Kompromiss wenn die Steintextur einfach wie eine zweite Haut aufgezogen wird. In der Natur liegen die Strukturen für erhaben Elemente (Nase) ja eher vor der Struktur des Gesichtes. Es ist wohl sehr viel komplexer die Struktur der eigentlicehn Perspektive anzupassen. Am besten man "Stückelt sich die Struktur zusammen. In etwa sucht man sich einen Bereich im Stein (eine scharfe Kante)in der die Struktur dann ja nach vorne läuft. Damit folgt die Strucktur im Beispiel ein wenig realistischer der dritten Dimension der Nase.
Das Verflüssigen ist da schon aufwändiger wenn es denn annähernd realistisch und nicht "aufgeblasen" aussehen soll.
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