Workshop: Lomographie
Wann immer der Mainstream sich in eine Richtung bewegt, gibt es bald einen Gegentrend. So haben sich schon vor ein paar Jahren Verfechter des mangelbehafteten Fotos zusammengefunden und die „Lomographische Gesellschaft“ gegründet. Der Name kommt nicht von ungefähr. Handwerkszeug dieser Vereinigung ist eine Kamera namens Lomo. Dieses russische Produkt, das stark an ein betagtes Minox-Modell erinnert, ist zwar technisch in der Lage, halbwegs ordentliche Bilder zu produzieren, doch nutzt es seine Anhängerschar fast ausschließlich zur Erzeugung von Zufallsfotos aus der Hüftschussperspektive. Das Prinzip der Lomokunst ist ganz einfach. Es heißt Verzicht. Verzicht auf die Kontrolle des Bildausschnitts. Unter den Gesellschaftsmitgliedern gilt es als verpönt den Sucher bei der Ausschnittswahl zu konsultieren. Auch verzichtet man trotz vorhandenem Steckschuh auf Ausleuchtungshilfen. In Lomographenkreisen verläßt man sich auf die Kombination von Belichtungsautomatik und lichtstarker 2,8/32 Millimeter-Optik. Häufig reicht das aus. Bisweilen sind die Ergebnise wirklich erstaunlich. Allerdings ist bei dieser Produktionsform viel Materialverschleiß vorprogrammiert. Um die Kosten in Grenzen zu halten, bevorzugt der Lomo-Purist denn auch das 7 mal 10 Zentimeter Ausgabeformat aus dem Großlabor für seien Massenproduktionen. Anfangs von allen Seiten nur belächelt, ist Lomographieren im Gefolge der Trashästhetik schwer in Mode gekommen. Immer häufiger greifen Werbung und Medien auf die Bildsprache der Zufallsproduzenten zurück. Ausstellungen von Lomographen haben Hochkonjunktur. Im Ergebnis sind die Bilder schräg, verwackelt, unzureichend belichtet, kurz: sie sehen aus, wie das, was man vor ein paar Jahren noch als Bildausschuss an den Müllschlucker verfüttert hätte. Jetzt hängt man es als dadaistisch orientierte Zufallskunst in Galerien auf. Wer Lomograph werden will, ist mit 200 Mark Anschaffungskosten für das Gerät allerdings keineswegs günstig dabei. Um noch kultigere Bilder zum Sparpreis zu machen, gibt es die „Holga“. Hier reichen 50 Mark als Basisinvestition. Einziges Manko: Das Ding arbeitet nur mit Rollfilmen. Die kosten erheblich mehr als Kleinbildfilme. Dafür ist von den in diesem Segment sonst deutlich sichtbaren Qualitätsverbesserungen hier nichts auszumachen. Eher im Gegenteil. Die Optik erweckt den Eindruck, als wäre sie aus schlecht recyceltem Plastik gemacht. Bevor man seinen Gerätepark um derart zwielichtige Kandidaten erweitert, nur um hippe Bilder zu schießen, kann man sich auch anders behelfen. Besitzer einer Digitalkamera sind eigentlich prädestiniert für die Lomografie. Durch die Weissabgleichsfunktion ist man ähnlich beleuchtungsunabhängig wie mit der nach ihrem Erfinder benannten Radionovschen Linse der Lomo. Wer die Auflösung seiner Kamera deutlich herabsetzt, hat einen großen Bildvorrat auf der Speicherkarte – schließlich kommt es auf die Qualität ja weniger an. Auch Autofokusfunktionen kann man durch behendes Wackeln während der Aufnahme recht einfach umgehen. Alles in allem gute Voraussetzungen, um den analogen Lomographen Konkurrenz zu machen. Noch einfacher ist der Weg über die EBV. Schließlich macht man mit ein paar Tricks in einer Bildbearbeitungssoftware jedes noch so hochwertige Bild im Handumdrehen zum Lomogramm.
In unserem Kreativworkshop für fortgeschrittene Anwender lernen Sie diesmal, wie Sie qualitativ hochwertige Fotos auf Lomo- und Holganiveau downgraden.
Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken. Registrierte Mitglieder können das Arbeitsmaterial über den Link unterhalb des Workshops herunterladen.
Ein Lomobild erzeugen
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Schräg, aber noch nicht schräg genug. Unser Ausgangsfoto ist ein deutlicher Beweis, dass auch hochtechnisierte Kleinbildkameras kein Garant für wasserwaagengerade Ablichtungen sind. Natürlich ist das bisschen Schräge weit jenseits dessen, was ein Lomograph schon aus Prinzip an Perspektivkorektur veranschlagen würde. Für den Nachbarbeiter bedeutet dass, er muss das Bild zunächst drehen. Im Menü „Bild“ unter „Arbeitsfläche drehen“ rufen Sie den Dialog „Per Eingabe“ auf. Welchen Wert Sie hier eintragen, hängt davon ab, wie die Ränder des Ausganggsbildes beschaffen sind. Kann man sie leicht ergänzen, darf es ruhig eine etwas höhere Zahl sein. Schließlich verringert sich der Bildausschnitt mit der Rotationsstärke. Die Richtung „im UZS“ (Uhrzeigersinn) ist bei unserem Bild ja schon durch die leichte Schräglage vorgegeben.
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Nach der Rotation um vier Grad müsen Sie mit dem Freistellungswerkzeug das Bild beschneiden. Um das urspüngliche Seitenverhältnis ansatzweise zu erhalten, kommt man kaum darum herum, weiße Stellen mit in den Beschnitt einzubinden. Achten Sie darauf, dass diese in Bildbereichen liegen, die sich einfach ergänzen lassen. Hier haben wir den Himmel und ein Stück der Rasenfläche unten links gewählt.
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Um das Bild bei der Ergänzung nicht zu beeinträchtigen, legen Sie eine neue, leere Ebene an. Auf diese tragen Sie die Ergänzugen mit dem Stempelwerkzeug auf. Beachten Sie bei der Arbeit, dass in den Stempel-Optionen „Alle Ebenen einbeziehen“ angeklickt ist.
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Sind alle Stellen angeflickt und Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden, verringern Sie die beiden Ebenen wieder auf eine. Verwendeen Sie dazu den Befehl „Auf Hintergrundebene reduzieren“ aus dem Kontextmenü der Ebenenpalette.
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Ein Lomograf verwendet natürlich wegen der Filmmengen, die er verbraucht, keine extrem hochwertigen Filme, sondern greift gerne zum Sonderangebot mit abgelaufener Ware. Für die Autentizität unserer Manipulation bedeutet dies, auf Körnigkeit und Farbgebung einzuwirken. Filmkorn fügen Sie mit dem Filter „Körnung hinzu, den Sie bei den „Strukturierungsfiltern“ finden. Wählen Sie dort die Körnungsart „Vergrößert“, aber übertreiben Sie nicht bei den Intensitäts- und Kontrasteinstellungen.
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Zur Farbkorrektur legen Sie wieder über das Kontextmenü der Ebenenpalette eine neue Einstellungsebene des Typs Gradationskurven an. Hier rauben Sie den Ausgangsbild die farbliche Brillanz, indem Sie die vorgegeben Diagonale wie gezeigt abflachen.
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Natürlich arbeitet der Lomograph auch nicht mit einem Stativ, sondern bevorzugt mit Schwung aus der Hüfte. Auch diese Technik hinterläßt Spuren im Bild. Meist in Form eines kleinen Wenigs an Unscharfe. Zur Simmulation derselben duplizieren Sie Ihre Hintergrundebene und bearbeiten das Duplikat mit dem Filter „Bewegungsunschärfe“, den Sie bei den Weichzeichnungsfiltern finden. Wählen Sie hier den Winkel entsprechend der Kamerahaltung.
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Um den Effektauftrag nachträglich noch etwas realistischer zu gestalten, verringern Sie einfach mit dem Deckkraftregler der Ebenepalette den Effektauftrag.
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Geadelt wird das Bild mit dem obligatorischen Finger vor dem Objektiv. Dieses Stilmittel findet nicht nur bei Lomographen verbreitet Einsatz, sondern auch bei vielen anderen Benutzern von Sucherkamaras digitaler und analoger Bauart. Legen Sie dazu eine neue leere Ebene an und malen auf dieser mit dem Pinsel in heller Fleischfarbe bei großer, weicher Werkzeugspitze ein wenig in der Ecke herum. Die signifikante Teiltransparenz des Effekts erreichen Sie durch den Auftrag des Gaußschen Weichzeicheners mit extrem hohem Radius.
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Harmonischer gestalten Sie den Fingerabdruck, indem Sie ihn mit dem Dialog „Farbton/ Sättigung“ an die Farbgebung im Bild anpassen. Meist reicht es aus, die Sättigung und die Helligkeit etwas zu verringern. Bei ungünstiger Farbwahl muss auch noch der Farbton korrigiert werden.
Holgabilder simulieren
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Zunächst einmal benutzen Hoga-Anwender in aller Regel ihren Sucher – wir müssen also das Ausgangsbild nur hinsichtlich des quadratischen 6x6-Formats anpassen. Dazu wenden Sie das Freistellungstool mit gehaltener Shift-Taste an.
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Da mit der mäßigen Objektivqualität ein ästhetischer Ausflug in die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg möglich wird, sollte man auch bei der Simulation in die Gefilde des Schwarzweissfilms ausweichen. Ein kunstvoller Farbraumwechsel ist überflüssig. Ändern Sie im Menü „Bild“ unter „Modus“ die Farbgebung auf „Graustufen“ und bestätigen den folgenden Dialog zur Entfernung der Farbinformation.
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Zur weiteren Bearbeitung duplizieren Sie zunächst die Hintergrundebene. Gegen die knackige Schärfe wehren Sie sich mit einer sehr vorsichtigen Anwendung des Gaußschen Weichzeichners.
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Die differenzierenden Tonwerte entfernen Sie aus dem Bild, imdem Sie mit dem Dialog „Tonwertkorrektur“ zunächst den Tonwertumfang in den Lichtern und den Tiefen begrenzen und anschließend die Schieberegler zur Tonwertspreizung wie gezeigt zusammenschieben.
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Was das Holgaobjektiv von seine fortschrittlichen Kollegen unterscheidet, ist der Hang zur verdunklenden Randvignettierung. In dieser Deutlichkeit ein Phänomen, das man schon seit einigen Jahrzehnten bei anderen Kameras vergeblich suchte. Totzdem auch für moderne Bildbearbeitungen kein Problem: Wählen Sie mit der ovalen Auswahl bei gehaltener Shift-Taste einen Kreis aus, kehren Sie die Auswahl anschließend um und füllen die Fläche auf einer neuen Ebene mit schwarzer Farbe.
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Heben Sie die Auswahl auf, ändern den Verrechnungsmodus der neuen Ebene in „Weiches Licht“ und rufen anschließend den „Gaußschen Weichzeichner“ auf, mit dem Sie die Randintensität der dunklen Vignette steuern.




















aus der Hüfte schießen kann. Das Foto hinterher mit Lomoeffekten zu versehen ist für den geübten Bildbearbeiter kein Problem, im Gegenteil, weitere kreative Punkte zu setzen, könnte den Spaß noch erhöhen.
Auch ich besitze eine Holga, allerdings zur Lochkamera umfunktioniert und benutze dieses Teil als Gegenmittel zu den allzuoft glatten und ausdruckslosen digital erzeugten Bildern, die mit Photoshop aufgemotzt werden müssen um einen "Style" hinzubekommen... bin allerdings Photoshop sonst nicht abgeneigt, aber bei diesen Kameras ist es doch gerade dieses "quick and dirty" das den Reiz ausmacht, und den kann man nun mal nicht (glaubwürdig) nachbauen.
allerdings muss ich .positivibes. recht geben. nachbauen mit ps kann da gar nix. da bestimme ich wieder wie es aussehen soll und der überraschungseffekt ist weg! und das, finde ich, ist der grund warum ich es liebe mit meiner lomo zu fotographieren.
lomos gibts auch billiger.. just check to ebay..
lgreets
cb
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