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Workshop: Lichtmalerei



Es gibt Tage im Leben eines Bildbearbeiters, da lässt er seinen Blick über die Pfründe seines fotografischen Rohbildbestands schweifen, entdeckt dabei ein hässliches Entlein von einem Bild und entschließt sich - weil er gerade Zeit und Inspiration im Überschuss hat - dieses sonst doch so unerquickliche Bild zu einem Schwan, nein besser noch, zu einer Perle seine Oeuvres zu veredeln. Solche Tage sind selten.

Häufiger ergibt sich folgende Situation: Ein Kunde, Marke "Immer auf den letzten Drücker", erscheint kurz nach Feierabend legt ein genial fotografiertes und anschließend am Computer verfeinertes Bild auf den Tisch. Dann sagt er, diese Qualität wolle er auch haben und überreicht mit der lapidaren Feststellung, er habe mit der Beauftragung eines hochprofessionellen Fotografenteams die wichtigsten Vorarbeiten schon geleistet einen Umschlag, der das enthaltene Foto vor neugierigen Blicken schützt. Es wären nur noch ein paar kleine Retuschen erforderlich. Keine große Sache. Und für einen echten Computerprofi natürlich ein Kinderspiel. Soll ja auch bis zum nächsten Tag fertig sein, und außerdem müsse er jetzt weiter. Das letzte, was er hört, ist der Hall des Entsetzensschreis, den der Bildbearbeiter beim Anblick des Materials nicht unterdrücken kann. Solche Tage kommen häufiger vor.

Was man in jedem Fall für derartige Arbeiten braucht, ist ein breites Repertoire an Tricks und Schlichen, um Fotomüll wie unser Ausgangsbild in ein ansehnliches Ergebnis zu verwandeln. In diesem Workshop für digitale Zauberlehrlinge lernen Sie eine recht einfach reproduzierbare Strategie zur Erzeugung zeitgeistgerechter Produkt- oder Objektillustrationen kennen.


Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken. Registrierte Mitglieder können das Arbeitsmaterial über den Link unterhalb des Workshops herunterladen.



1. Objekt freistellen



Welche Methode Sie zur Freistellung der Annanas wählen hängt ebenso vom Motiv wie von Ihren Arbeitsgewohnheiten ab. Die ziselierte Randbegrenzung des Objekts spricht gegen die Arbeit mit automatischem Lasso oder Pfadwerkzeug. Der relativ homogene Hintergrund für eine Auswahl auf Basis der Farbgebung.



Um die Rahmenbedingungen für diese Art der Auswahl zu verbessern, entfernen Sie zunächst den Grauschleier des Bildes, indem Sie die "Automatische Tonwertkorrektur" aufrufen, die Sie im Menü "Bild" unter "Einstellen" finden.



Rufen Sie dann den Dialog "Farbbereich auswählen" aus dem Menü "Auswahl" auf. Mit dem Pipettensymbol suchen Sie sich eine Grundfarbe aus dem freizustellenden Objekt aus. Die beim ersten Klick noch nicht erfassten Bildteile fügen Sie hinzu. Dazu müssen Sie jedoch zum Pipettensymbol mit dem Pluszeichen wechseln. Wenn die Auswahl sich zu weit auf den Hintergrund auswirkt, verringern Sie den Toleranzwert. Sieht Ihr Ergebnis so aus wie in unserer Abbildung, bestätigen Sie die Auswahl.



Die zuviel oder zuwenig ausgewählten Bereiche korrigieren wir per Hand. Um einzelne nicht erfasste Pixel in die Auswahl zu integrieren, schalten Sie in den Maskierungsmodus um und malen die zuviel ausgewählten Bereiche mit schwarzer Füllfarbe und einer scharfkantigen Werkzeugspitze per Hand aus.



Die noch nicht ausgewählten Bereiche der Annanas fügen Sie durch Entfernen der Maskenfarbe mit dem Radiergummi hinzu. Ist die Maske perfekt, kehren Sie zum Standardmodus zurück und speichern die Auswahl das  Menü "Auswahl" unter dem Namen "Annanas ganz" als neuen Kanal. Anschließend kopieren Sie die Anananas und setzen sie sofort danach als neue Ebene wieder ein.


2. Umfärben



Die Annanas auf der neuen Ebene färben Sie zunächst mit dem Dialog "Farbton/ Sättigung, den Sie im Menü "Bild" unter "Einstellen" finden.



Der untere Teil der Frucht ist nun gefällig, doch der Strunk wirkt farblich noch nicht ganz ausgereizt. Setzen Sie deshalb die Annanas, die sich noch in der Zwischenablage befindet, erneut ein, laden Sie anschließend die gespeicherte Auswahl und wechseln in den Maskierungsmodus. Hier erweitern Sie die Maske durch Ausmalen um den Bereich, der bereits zufriedenstellend gefärbt ist.



Die so erzeugte Auswahl verwandeln Sie durch einen Klick auf das Maskensymbol in eine Ebenenmaske. Anschließend ist die Ansicht der Ebene 2 nur noch auf den Strunk beschränkt.



Diesen färben Sie erneut mit dem Dialog "Farbton/ Sättigung". Eine einheitliche Farbtönung erzielen Sie hier, indem Sie den Schalter "Färben" aktivieren.


3. Hintergrund abstimmen



Trotz aller Buntheit will das Bild bisher noch nicht so recht stimmen. Schuld daran trägt der Hintergrund. Er erinnert noch zu sehr an das langweilige Ausgangsfoto. Ein einfacher Trick, um ihn aufzuwerten, besteht darin, ihn einfach weichzuzeichnen. Das lässt nicht nur den Hintergrundkarton milchig wirken, sondern erzeugt quasi als Nebeneffekt aus der Ursprungsannanas einen Schein für ihre kopierten Schwestern. Klicken Sie zunächst die "Hintergrundebene" in der Ebenenpalette an und rufen Sie dann für diese Arbeit den "Gaußschen Weichzeichner" auf. Sie finden ihn im Menü "Filter" unter "Weichzeichnungsfilter".



Anschließend färben Sie den Hintergrund wie vorher den Strunk um.

von Christoph Künne
muschke schrieb am 18.12.2007 17:59
Danke für den Workshop.
Eine gute Auffrischung für des bereits bei DOCMA Gelernten.
Auch wenn ich den Workshop wohl nie 1:1 verwenden werde: Der Hinweis mit dem unscharfen Hintergrund und ggf. auch noch seiner Einfärbung vrdient es, im Lanzeitgedächtnis abgespeichert zu werden.

Liebe Grüße aus dem noch nördlicheren Norden
mmuschke

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