Tipps & Tricks

Workshop: Freistellung vorbereiten



Arbei­ten Sie in Photoshop mit Frei­stellungs­pfaden und haben beim Platzieren im Layout Probleme mit unerwünschter Farbigkeit in den Rand­zonen, finden Sie hier ein paar Tricks, die Ihnen zu besseren Ergebnissen verhelfen können.

Wenn Sie statt mit Pfaden ein Bild mittels eines Alpha-Kanals im Layout freistellen, sind die hier aufgeführten Vorschläge zum Teil verzichtbar. Jeder hat seine bevorzugte Arbeitsweise – ich verwende Pfade nur dann, wenn es um Objekte mit langen, geschwungenen Konturen geht, ansonsten bevorzuge ich neben Farbauswahlen und Kanälen manuelles Nachmalen im Maskierungsmodus oder in der Ebenenmaske. Aber wenn ein Pfad zum Freistellen beim Export benötigt wird, muss man irgendwie mit dem Problem klar kommen, dass mitunter Reste des Hintergrunds ungewollt mit übertragen werden. Dagegen gibt es ein paar Rezepte.


Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken.



1 Raubvogel mit Pfad

Angesichts der vielen einzelnen Federn, die bei der Kontur dieses Vogels zu berücksichtigen wären, würde der saubere Einsatz des Pfadwerkzeugs einige Zeit benötigen. Schneller ginge auf jeden Fall eine Farbauswahl des blauen Himmels, Auswahlumkehr und anschließende Umwandlung mit hoher Präzision in einen Pfad. Um das Problem deutlicher zu zeigen, habe ich den Pfad hier absichtlich recht grob angelegt. Falls Sie übrigens einen entsprechenden Alpha-Kanal zum Freistellen im Layout-Programm verwenden und Hintergrundpixel sichtbar bleiben, empfehle ich das in Abbildung 4 unseres UFO-Artikels beschriebene Verfahren durch leichtes Weichzeichnen und Tonwertkorrektur der Maske.



2 Vogel auf Farbfläche platziert

Sie kennen das Problem aus der Praxis: Wurde der Pfad nicht absolut sauber angelegt, bleiben beim anschließenden Übertragen in ein Layout-Programm an manchen Rändern störende Säume übrig, die nicht zum Objekt, sondern zu seinem Hintergrund gehören. Manchmal hat man Glück und es fällt auf dem neuen Untergrund nicht weiter auf – vertrauen darf man darauf allerdings nicht. Selten ist der Effekt dabei so auffällig wie in diesem Beispiel, aber damit die hier demonstrierten Verfahren leicht nachvollziehbar sind, ist eine Übertreibung abgemessen. Ansonsten hätte man bereits beim Anlegen des Pfades leicht erkennen können, dass dieser etwa zwischen den Federn der Flügelspitzen noch deutliche Nachbearbeitung erfordert.



3 Umfeld mit Farbe füllen

Photoshop CS bietet Ihnen einen neuen Filter im Menü der Weichzeichnungsfilter mit der Bezeichnung „Durchschnitt“, der die durchschnittliche Farbe­ ­eines Bildes oder einer Auswahl erzeugt. Damit können Sie schnell die „typische“ Farbe eines Objekts ermitteln – die allerdings nicht immer der Erwartung entspricht und mitunter der Nachbearbeitung bedarf. Die ­mittlere Farbe des Vogels etwa (links) erschien mir für ­diesen Zweck zu dunkel. Nachdem Sie die Farbe festgelegt haben, wählen Sie in Photoshop den Bereich außer­halb des Pfades aus (Pfad in Palette mit gedrückter Strg-/Befehlstaste anklicken, entstehende Auswahl umkehren) und füllen ihn per Tastatur oder Farbeimer damit.



4 Randzone nachbearbeiten

Objekt und Farbfläche liegen auf einer Ebene. Den Pfad sichern Sie vorsichtshalber unter einem eigenen Namen, mit dem er in der Pfade-Palette erscheint. Klicken Sie, wie soeben bereits beschrieben, den Pfadeintrag mit gedrückter Strg-/Befehlstaste an, so wird er als Auswahl geladen. Gehen Sie im Menü „Auswahl“ zu der Zeile „Auswahl verändern“ und öffnen Sie dort den Eintrag „Auswahl umranden“. Photoshop trägt nun mit der Hälfte des eingegebenen Wertes zu beiden Seiten der Auswahlkante eine Auswahlzone auf, die insgesamt also die Breite der Eingabe hat. Soften Sie innerhalb dieser Zone mit einem relativ hohen Wert – hier sind es 20 Pixel – mit dem Gaußschen Weichzeichner. (Wäre die Umgebungsfarbe der alte Hintergrund oder Transparenz, entstünde in der Auswahlzone eine unpassende Farbe.)



5 Verbesserte Darstellung

Dieses Ergebnis ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber es ist sichtbar besser als die erste Version. Da nun farblich angeglichene Pixel in der Nähe der Pfadkontur eingefügt wurden, wird zumindest der sich zuvor deutlich abhebende Rand des ursprünglichen hellblauen Himmels überlagert. Sollten Sie diese Methode für geeignet halten und bei Ihrer Arbeit häufig einsetzen, so empfiehlt es sich, die diversen Arbeitsschritte zu einer Aktion zusammenzufassen und etwa an der Stelle der Farbfestlegung eine Unterbrechung vorzusehen.



6 Mehrfarbiges Objekt

Bei einem solchen Objekt wie der Marc-Aurels-Säule mit ihren unterschiedlichen Farben ist es nicht möglich, einfach die Durchschnittsfarbe als Umgebungsfarbe zu verwenden – sie wäre an vielen Stellen zu hell, an anderen zu dunkel, und richtig passen würde sie fast nie. Selbst ohne Vergrößerung (rechts unten) ist leicht zu erkennen, dass der Freistellungspfad etliche der hellen Hintergrundpixel eingeschlossen hat. (Ein kulturgeschichtlicher Hinweis zur Unterscheidung am Rande: Auf der Marc-Aurels-Säule steht heute eine Statue des Apostels Paulus; die sehr ähnliche Trajans-Säule wird dagegen von Petrus besetzt, der zwei Schlüssel in der Hand hält.)



7 Manuelle Vorarbeit

Vor den Eingriffen, die ab Abbildung 3 erläutert wurden, habe ich hier unter der Ebene mit dem vom Pfad freigestellten Objekt eine neue, leere Ebene eingezogen. Dort nahm ich mit Pinsel und Alt-Taste benachbarte Farben des Objekts auf und malte damit. Die Alternative, auf derselben Ebene im Modus „Dahinter auftragen“ zu malen, ist nicht zu empfehlen, weil Sie damit keine bereits aufgetragenen Farben übermalen können. Vereinigen der beiden Ebenen, Erzeugen der Auswahlumrandung, Weichzeichnen und schließlich Freistellen mittels des Pfades führt zu dem Ergebnis rechts. Auch dies ist kein wirklich hochwertiges Resultat, aber der Vergleich mit Abbildung 6 zeigt eine offensichtliche Verbesserung.



8 Kirchenuhr

In dem kleinen Dorf auf Rhodos, wo ich diese schöne Uhr fotografiert habe, ist es immer zehn vor sieben – der Zeitmesser ist lediglich aufgemalt, das erübrigt das Aufziehen und Nachstellen. Links ist das echte Umfeld zu sehen, rechts das Objekt nach dem Freistellen per Pfad und Platzierung auf einem blauen Fond. Auch hier habe ich die Ungenauigkeit wieder übertrieben, um die Auswirkungen deutlicher sichtbar zu machen.



9 Rand entfernen

Für schwebende Auswahlen und Ebenen, die keine Hintergrundebene sind, bietet Photoshop schon sehr lange eine Funktion namens „Rand entfernen“ an, die sich am unteren Ende des Ebenen-Menüs findet. Von seiner Aufgabenstellung her soll dieser Eingriff unerwünschte Farben entlang der Außenkante innerhalb einer wählbaren Breite zum Verschwinden bringen, indem die Zone mit den Farben aufgefüllt wird, die am Ende der gewählten Breite liegen. Für schwarze und weiße Pixel gibt es an derselben Stelle einen Extra-Eintrag. In der Praxis funktioniert das allerdings nur bei sehr schmalen Rändern. Der Vergleich der Original-Uhr (links) mit ihrem so bearbeiteten Duplikat (rechts oben) zeigt nahezu keinen Unterschied. Besteht der Rand aus einer weichen Kante (rechts unten), sieht das Ergebnis ein wenig besser aus. Bei Randstreifen üblicher Breite arbeitet das Werkzeug allerdings recht zuverlässig.



10 Radialer Weichzeichner

Falls Sie das zuvor demonstrierte Verfahrten für Ihre Arbeit einsetzen wollen, sollten Sie auch eine Alternative ausprobieren, welche die Vorzüge des Gaußschen Weichzeichnens und des manuellen Auftragens benachbarter Farben kombiniert: der Filter „Radialer Weichzeichner“ in der Variante „Strahlenförmig“. Allerdings hat auch er den Nachteil, dass er – ähnlich wie „Bewegungsunschärfe“ – die Pixel nicht nur in eine Richtung verschmiert, hier also nach außen, sondern radial in beide. Die Außenzone neben der Transparenz wird so etwas zu hell (Mitte). Das können Sie allerdings korrigieren, indem Sie die bearbeitete Ebene einfach duplizieren. Dann legen Sie das freigestellte Original (links) auf die Ebene darüber, laden den Pfad als Auswahl, kehren diese um und löschen den Außenbereich (rechts).



11 Plug-in KPT Blurrrr – Zoom Blur

Für diesen Zweck besser geeignete Ergebnisse liefert das Plug-in „Zoom Blur“, das in der von Corel vertriebenen KPT Collection unter „Blurrrr“- zu finden ist. Bei einem identischem Pixel-Radius von 14 sieht das Filterungsresultat anders aus als in Abbildung 10; hier werden die Pixel radial in eine Richtung verschoben. Entsprechend besser ist schließlich auch das fertige Bild als auf einem Fond platzierter Freisteller (rechts). Entscheiden Sie im Einzelfall, ob diese Verfahren weniger Arbeit bereiten, als gleich eine saubere Maske zu erzeugen.

von Doc Baumann

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