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Workshop: Fake




Verfälschte Fotos – auf Neudeutsch auch Foto-Fakes genannt – haben eine Tradition, die so alt ist wie die Geschichte der Fotografie selbst. Für die meisten von uns waren fotografische Abbildungen lange Zeit bewußt oder unbewußt Wahrheitsbeleg für etwas, das genau so wie abgelichtet stattgefunden hat. Diese Ansicht vertrat nicht nur der Mann von der Straße, ein Foto hatte auch vor Gericht Beweiskraft. Erst mit dem Bekanntwerden moderner Techniken zur computergestützten Bildmanipulation hat sich die Sicht des Bildes im Hinblick auf seine Realitätsnähe für viele Menschen gewandelt. Die Leichtgläubigkeit, die vormals in weiten Teilen der Bevölkerung herrschte, läßt sich gut vergegenwärtigen, wenn man sich der Aufmacherbilder von Yellow-Press Titeln erinnert. Da wurde - für den aufmerksamen Laien durchaus offensichtlich - der eine Promi mit harter Schnittkante an den nächsten geklebt und anschließend den beiden ein Verhältnis angedichtet. Die angepeilte Leserschaft nahm das Bild als unhinterfragbaren Beweis. Aber die Maanipultion des Betrachters beschränkte sich nicht auf Unerheblichkeiten wie Klatsch- und Tratschgeschichten. In den Ostblockstaaten konfrontierte der jeweils herrschende Parteiflügel seine zeitungs- und geschichtsbuchlesenden Genossen mit subtileren Fälschungen. Entsprechend der geistigen Lage der Nation entfernten Retuscheure diesen oder jenen gerade in Ungnade gefallenen Politiker von den offiziellen Bildern.

Während solche Arbeiten erst als Ergebnis jahrelangen Übens meist nur von hauptberuflichen Spezialisten zustande gebracht wurden, kann man dank Photoshop und Konsorten heute auch ohne große Vorkenntnisse fotografische Abbildungen seinen eigenen Vorstellungen entsprechend manipulieren. An einem schwarzweissen Filmfoto aus den vierziger Jahren zeigen wir Ihnen wie diese Techniken prinzipiell funktionieren. Da die Qualität des damaligen Filmmaterials weit entfernt von dem war, was wir heute in Kameras einlegen, müssen wir die zu kopierende Bildteile qualitativ eher zum Schlechteren korrigieren. Das ist natürlich leichter als Details hervorzaubern zu wollen, die es im Originalbild so gar nicht gibt. Daneben beschränkt sich der Farbumfang auf Graustufen, was die Anpassung noch einmal vereinfacht. Achten Sie aber bei der Wahl des einzukopierenden Portraits darauf , dass die Grundausleuchtung der auf dem Zielbild zumindest ähnelt.


Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken. Registrierte Mitglieder können das Arbeitsmaterial über den Link unterhalb des Workshops herunterladen.



1. Portrait vorbereiten



Öffnen Sie zunächst das Zielbild mit den beiden Schauspielern und stellen Sie fest, wie groß der Kopfausschnitt, den Sie später einfügen wollen, sein muß. Wenn Sie ein Bild verwenden, das von vornherein die richtige Größe hat, vermeiden Sie qualitätsverschlechternde Anpassungsarbeiten. Um die Größe eines Bildteils pixelgenau herauszufinden, ziehen Sie um den Bildbereich herum eine Auswahl auf und lesen anschließend in der Informationspalette die Größe ab. Falls Ihnen Photoshop als Einheit keine Pixel anzeigt, stellen Sie die Maßeinheit in den Palettenoptionen entsprechend ein.



Das Portrait, das Sie zum Einkopieren auswählen, darf nicht ein beliebiges sein. Es muß - wie bei unserem Beispiel – im Hinblick auf die Kopfhaltung und den Aufnahmewinkel mit dem Zielbild übereinstimmen. Beschneiden Sie das Portraitfoto so, daß in Ausschnitt und Größe etwa mit dem zu ersetzenden Teil übereinstimmt.



Es darf ruhig ein wenig größer sein. Dann kopieren Sie das Bild in die Zwischenablage und setzen es im Zielbild ein.



2. Stil abgleichen



Da das eingefügte Bild keinerlei Harmonie mit seiner neuen Umgebung aufweist, müssen Sie es dem Stil der älteren Fotografie angleichen. Hierbei erleichtern Sie sich die Arbeit, wenn Sie die Charakteristika der beiden Bilder vergleichen. Das alte Foto ist im Kontrastumfang sehr viel steiler, es gibt weniger Graustufen als in dem modernen Bild. Die Lichter sind stark überstrahlt und es gibt kaum Tiefen. Zudem ist es auch mit der Schärfe nicht weit her. Korrigieren Sie zunächst mit dem Gaußschen Weichzeichner den Schärfeunterschied.



Den Tonwertumfang begrenzen Sie mit der Gradationskurve.



3. Montage



Obwohl wir die Bilder im Hinblick auf die Größe bereits im Vorfeld abgestimmt haben, müssen Sie bei der Endmontage die Kopfgrößen noch etwas aneinander anpassen. Damit Sie hierbei die Kontrolle behalten, reduzieren Sie die Deckkraft der Ebene1 auf etwa 50 Prozent und gleichen die Kopfgröße mit der manuellen Skalierenfunktion an, die Sie im Menü “Bearbeiten” unter Transformieren finden.



Zur Montage der beiden Ebenen legen Sie zunächst mittels Klick auf das Symbol am unteren Rand der Ebenenpalette eine Ebenenmaske an.



Auf der Maske entfernen Sie nun durch Malen mit schwarzer Farbe die überflüssigen Bildteile des eingefügten Portraits. Wenn Sie etwas zu viel entfernt haben, korrigieren Sie dies mit dem Radiergummi.



Problemzonen wie die oben überstehenden Haare des Vorgängers entfernen Sie mit dem Stempelwerkzeug. Wechseln Sie zur Hintergrundebene und wählen mit gehaltener Alt-Taste den Referenzpunkt des Stempels etwas oberhalb der Haare. Anschließend brauchen Sie nur noch das alte Haar durch den Hintergrund zu ersetzen.



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von Johannes Wilwerding

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