Workshop: Cross-Entwicklung
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Vor längerer Zeit hatten wir im Forum eine Anfrage, in der „Nikita“ wissen wollte, wie man mit digitalen Mitteln – möglichst gleich ganz einfach per Filter – den sogenannten Cross-Effekt simuliert. Zugegeben, das ist nicht ganz einfach. Daher hat es auch ein wenig gedauert, bis ich mich einmal etwas tiefgehender mit Ansätzen zur Lösung des Problems befassen konnte.
Bevor es losgeht, muss man sich zunächst darüber klar werden, dass es den Cross-Effekt als solchen nicht gibt. Unter diesem Begriff fasst der Fotolaborant gemeinhin eine in vielfältiger Gestalt auftretende Farbverfälschung zusammen, die entsteht, wenn analoges Filmaterial mit falscher Chemie behandelt wird. Falsch bedeutet hier, entweder Negativmaterial in der für Diafilme gedachten E6-Emulsion zu entwickeln oder Diafilme durch den C-41 Prozess für Negativmaterial laufen zu lassen. Was dabei herauskommt, ist je nach verwendetem Filmmaterial höchst unterschiedlich. Ge-E6-te Negativfilme verlieren an Kontrasten und bekommen einen Farbstich in Richtung Grün oder Rosa. Insgesamt sehen die Ergebnisse recht matschig aus. Ganz anders bei Diafilmen, die den C-41 Prozess durchlaufen haben. Hier werden die Farben kräftiger bis hin zu unnatürlichem Bunt. In beiden Fällen geht die Zeichnung in den Lichtern verloren. Welche Farben sich bei welchem Material ergeben, hat man nicht wirklich unter Kontrolle – zu sehr beeinflussen die Lichtsituation während der Aufnahme und die Umgebungsfarben im Zusammenspiel mit den Materialien das Ergebnis. Auch von Seiten der Hersteller darf man nicht auf Hilfen hoffen und speziell für einen bestimmten Cross-Effekt ausgelegte Filmsorten hat es auch nie gegeben.
Insofern ist es nur vernünftig, das, was die analoge Chemie so schwermacht, mit Photoshop nicht nur einfach nachzuempinden, sondern bis ins Detail zu steuern.
Hinweis: Dieser Workshop funktioniert mit Photoshop ab Version 5.5. Für größere Bildansichten bitte auf die Bilder klicken.
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Originale: Dia aus dem C41-Prozess
Dias, als Negativfilme im C-41 Prozess entwickelt, zeigen anschließend starkbunte Faben. Diese unnatürliche Buntheit in Kombination mit den sehr harten Kontrasten und ausbrechenden Lichtern wird gemeinhin mit der Crossentwicklung assoziiert. Die Sammlung der Ergebnisse unterschiedlicher Filme macht die Variationsbreite des Effekts deutlich.
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Originale: Negative aus dem E6-Prozess
So sehen die Ergebnisse aus, wenn Sie Farbnegativfilme im E6-Prozess entwickeln. Diese Farbstiche dürften wohl kaum jemanden dazu anregen, ähnliches aus einem farblich ausgewogenenen Bild mit digitalen Mitteln gewinnen zu wollen. Wenn doch, reduzieren Sie einfach die Bildkontraste und verändern die Farbbalance, um blasse, überstrahlte, grünlich oder schweinchenrosa gefärbte Bilder zu erhalten.
Simulation: Falsch scannen
Ein von der Idee her sehr naheliegender und zudem recht einfacher Ansatz besteht darin, die Vorlagen falschherum zu scannen. Also Negativvorlagen im Diamodus und umgekehrt. Anschließend werden die Ergebnisse nur noch mit dem Invertierung- oder Negativ-Befehl zurückgerechnet. Mit Cross-Effekten im herkömmlichen Sinne hat das allerdings wenig zu tun. Diavorlagen werden so weit aufgehellt, dass Abendaufnahmen als Tageslichtfotos durchgehen (linkes Bild). Negativvorlagen erhalten aufgrund ihrer im Original orangen Färbung einen starken hellblauen Stich, der in der Farbgebung jedoch von Film zu Film variiert. Ganz entfernt erinnern sie an die Ergebnisse, die man bei der E6-Entwicklung von Negativmaterial erhält. Aber wirklich nur ganz entfernt. Zur Simulation des beabsichtigten Effekts sind beide Methoden ungeeignet. Wer glaubhaft „crossen“ will, muss schon ein ganzes Stück tiefer in die Trickkiste greifen.
Bildberechnungen in RGB
Der einfachste Weg zur Cross-Optik führt über den Dialog „Bildberechnungen“ aus dem Bild-Menü. Das Werkzeug ist höchst komplex, läd aber auch den Unverständigen zu Trail & Error-Experimenten ein. Wenn Sie im RGB-Modus arbeiten, gibt es zwei Verrechnungsarten, die bei den meisten Vorlagen sehr schnell eindrucksvolle Ergebnisse liefern. Setzen Sie in Photoshop CS im Bereich „Ziel“ den „Modus“ auf „Überlagern“. Vor Photoshop CS hießt diese Verrechnungsoption noch „Ineinanderkopieren“. Als „Kanal“ legen Sie beim ersten Herantasten die RGB-Composit-Information zugrunde. Um zu Ergebnisalternativen zu gelangen, wechseln Sie zu den Farbkanälen. Meist fallen die Berechnungen dann allerdings weniger knallig aus. Noch farbintensiver, dafür erheblich dunkler, ist die Verrechnung der umgekehrten Kanalinformation im Modus „Subtrahieren“. Zur Verringerung der Farbintensität reduzieren Sie die Deckkraft.
Bildberechnungen in CMYK
Auch im CMYK-Modus stehen Ihnen vielversprechende Möglichkeiten zur Verfügung. Besonders, wenn es Ihnen darum geht, gezielter auf bestimmte Farbbereiche einzuwirken. Das Ergebnis wird in vielen Fällen nicht ganz so bunt. Besonders geeignet sind hier die Verrechnungsmodi „Strahlendes Licht“ und „Farbig nachbelichten“. Die unterschiedlichen Wirkungen der einzelnen Farbkanäle zeigen alle sehr deutlich die Kombination von Kontraststeigerung und ausbrechenden Lichtern. Allerdings können so ganze Farbbereiche im Dunkeln verschwinden – ein Effekt, der beim chemischen Prozess so stark nicht auftritt. Um solche Nebenwirkungen auszugleichen, manipulieren Sie mit dem Befehl „Verblassen“ aus dem Bearbeitenmenü direkt nach Anwendung der Bildberechnung den Effektauftrag nachträglich. Oder Sie berechnen mehrere Versionen auf mehren Ebenen und kombinieren die Bilder anschließend per Ebenenmaske nach Ihrem Gusto.
Die Neutralgrau-Methode
Nicht bei jedem Bild zu empfehlen ist die Neutralgrau-Methode. Hier-bei sucht man sich zunächst auf dem Ausgangsbild einen Farbbereich aus, der später mehr oder minder erhalten bleiben soll. Dafür eignen sich bevorzugt Hauttöne. Öffnen Sie dann den Dialog „Tonwertkorrektur“, doppelklicken dort auf die mittlere Pipette und wählen anstelle des 50-Prozent-Graus den Hautton als Referenzwert. Nach der dreifachen Bestätigung verfremden Sie das Ausgangsbild etwa durch eine steile Gradationskurve und/oder Änderungen über „Farbton/Sättigung“. Um die Hauttöne nun wieder in Richtung ihres Ursprungs zurückzuverwandeln, öffnen Sie erneut die Tonwertkorrektur, klicken einmal auf die mittlere Pipette und damit dann auf die Haut. Bei manchen Bildern sind mehrere Klicks nötig, um die richtige Stelle zu finden. Denken Sie aber daran, das Neutralgrau nach der Bearbeitung wieder auf R:127, G:127 und B:127 zurückzusetzen.
Problematische Vorlagen
Digitale Crossentwicklungen sind ein massiver Eingriff in die Farbstuktur. In technischer Hinsicht nimmt man extreme Veränderungen in den Farbkanälen vor. Während es in der analogen Fotografie dabei vornehmlich nur zu steileren Kontrasten, zu Verfärbungen und zu Zeichnungsverlust in den Lichtern und zur Betonung des Filmkorns kommt, ergibt sich in der digitalen Fotografie ein zusätzliches Problem: die Kompression. Beim Nachbearbeiten von Digitalfotos treten schnell Rausch- und Kompressionsartefakte in den Vordergrund und stören die Ästhetik. Sie können dagegenarbeiten, müssen dann aber schon bei der Aufnahme einiges beachten. Ideal ist es, das Bild im Tiff oder Raw-Modus aufzunehmen, damit keine Kompressionsartefakte entstehen. Im JPEG-Format bilden sich später sichtbare Blöcke. Bei gescannten Bildern sollten Sie die Scharfzeichnung und Features wie „Für Druck optimieren“ abschalten, um die Körnigkeit zur reduzieren.











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