Das beste Equipment
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Viele Fotografen rüsten ihr Digitalequipment regelmäßig nach dem Motto „Nur das Neuste ist gut genug“ auf und verlieren dabei viel Geld und den Blick für das Wesentliche. | Christoph Künne
Jede Woche erreichen uns Anfragen wie diese: „Ich möchte mir eine(n) neue(n) PC / Kamera / Monitor / Drucker zulegen. Welche Ausstattung braucht das Gerät für einen optimalen Arbeitsbetrieb?“ Wüssten Sie darauf eine passende Antwort? Ich nicht. Schwierig ist aber nicht die Antwort an sich, sondern die Frage. Das Kernproblem aller Anschaffungen besteht in der Relation zwischen finanziellen Mitteln und Qualitätsanspruch. Schon hier begehen viele Entscheidungsfinder einen teuren Denkfehler: Sie ermitteln erst, wie viel Geld sie ausgeben wollen, und suchen dann das optimale Produkt. Dieser Weg ist alltagsnah und für unerfahrene erste Schritte verzeihlich. Spätestens bei der zweiten oder dritten Produktgeneration weiß man, was man braucht und im tiefsten Herzen auch, wie das Ganze nach kürzester Zeit endet: Mit einem erneuten Besuch beim nächsten Elektrodiscounter, weil das Gerät nicht tut, was es verspricht, und wenn doch, dann nicht so gut wie erwartet.
Meine Großmutter sagte immer: „Ich bin zu arm, als dass ich mir billige Produkte leisten könnte“ – und kaufte Markenqualität, die dann jahrzehntelang hielt. Das hat sich der Konsument von heute längst abgeschminkt. „Markenware“ allein reicht nicht, weil alle Anbieter davon leben, ihren Kunden in kurzen Abständen neue und leistungsfähigere Geräte zu verkaufen. Fast jedes Jahr eine neue Kamera, alle zwei einen neuen Rechner und Drucker, und nur der Monitor bleibt bis zu fünf Jahre im Einsatz. Schließlich ist die technische Entwicklung ja so rasant.
Was viele aus dem Auge verlieren, ist die Realität jenseits der Kennzahlen Megapixel und Gigahertz. Die Realität nämlich, die vom faktischen Einsatz und Ergebnis ausgeht und nicht von den versprochenen Möglichkeiten. 80 % aller Fotos werden niemals ausgedruckt oder ins Labor gegeben. Das verbleibende Fünftel wird maximal DIN A4 groß zu Papier gebracht und nur ein minimaler Bruchteil größer als DIN A3 gedruckt. Drei Megapixel Bildgröße reichen bis zum A4-Tintendruck aus, sechs Megapixel für einen DIN A3-großen Print. Die Qualität der Bilder hängt weniger von der Kamera als vom Objektiv ab. Wer vor fünf Jahren eine 1 500 Euro D-SLR gekauft und noch einmal dieselbe Summe in hochwertige Linsen investiert hat, kann damit noch Jahre arbeiten, bis die Kamera kaputt geht. Viele Konsumenten haben jedoch in derselben Zeit eine 1 000-Euro-Bridge-Kamera und bis zu zwei Amateur-D-SLRs gekauft. Und sie haben immer noch Qualitätsprobleme, weil ihnen die Anschaffung hochwertiger Linsen nie in den Sinn gekommen ist. Die Ergebnisse werden zwar besser, aber selten so richtig gut. Als Nebeneffekt erweist sich die mit dem steten Qualitätsärger einhergehende Frustration, die wiederum vom Fotografieren abhält.
Solche Erfahrungen lassen sich auch bei den anderen Komponenten erleben: Zusammengeschusterte Billig-PCs aus dem Lebensmittelfachmarkt kosten mit ihren Treiberproblemen ebenso viel Zeit wie die Anpassung des jeweils neusten Betriebssystems. Und wie oft wird ein Drucker gegen einen vermeintlich bunteren ausgetauscht, ohne dass sein Besitzer das Gerät überhaupt richtig benutzen kann? Wer kennt schon seine Programme im Detail, bevor er die nächste Version aufspielt, die alles einfacher machen soll, aber dafür als Nebenwirkung eine Hardware-Rundumerneuerung nach sich zieht?
Nur am Monitor hat man lange Freude, der hält fünf, manchmal sogar zehn Jahre. Da begegnen wir dem zweiten Denkfehler: Der Bildschirm ist die am meisten vernachlässigte Größe im Workflow; er aber ist unser Kontrollinstrument für Farben und Kontraste, also für die Bildwirkung. Hier sollte man investieren, und das regelmäßig, weil auch das farbraumstärkste Display mit den Jahren an Leuchtkraft verliert. Zwischendurch muss man in jedem Fall alle paar Wochen mit einem Kalibrationsgerät die Farbstabilität gewährleisten. Wer stets 10-Megapixel-Fotos retuschiert, kommt rechnerseitig mit Hardware zurecht, die längst unmodern geworden ist. Im normalen Fotografenalltag wichtiger als ein schneller Prozessor sind reichlich Arbeitsspeicher und ein sicheres Bildarchiv.
Und was lernen wir daraus? Zunächst einmal, für sich selbst herauszufinden, was man mit der Technik anfangen will. Wer das weiß, trifft die Folgeentscheidungen leichter. Im Idealfall setzt man auf Komponenten, die sich auch über mehrere Gerätegenerationen nutzen lassen. Im Fall von SLR-Kameras muss man sich nur für einen Hersteller entscheiden und dann diese Entscheidung über viele Jahre durchhalten. Welcher Anbieter das ist, hängt weniger vom Angebot der aktuellen Kameras ab als vielmehr von der Qualität der Wechselobjektive, denn die machen den größten Brocken der Investition aus. Bei Computern gibt es zwei Strategien: Entweder man kauft Komplettgeräte mit großen Bildschirmen wie den iMac und erneuert diese alle fünf Jahre, wenn der Monitor schlappmacht. Oder man setzt auf selbst zusammenkomponierte Windowssysteme, bei denen dann über die nächsten fünf bis zehn Jahre nur noch einzelne Komponenten gewechselt werden. Das ist billiger, aber beschäftigungsintensiver. Drucker gibt es nicht als Systemlösungen, hier besteht die Entscheidung darin, entweder einen einfachen Bürodrucker mit Fotoqualitäten anzuschaffen und alles Größere dem Labor zu überlassen. Oder man druckt viel und investiert in einen professionellen mindestens DIN-A3 großen, 12-Tinten-Drucker.
Leider gibt es heute keine Patentrezepte wie einst bei meiner Großmutter. Wer sich nicht in jede Digitaldisziplin einlesen will, kann das mit einer prallgefüllten Geldbörse ausgleichen.
Markenware, zumal wenn man hier die Geräte mit professionellem Anspruch und entsprechender Preisgestaltung erwirbt, ist immer noch die einfachste Lösung zur Umschiffung vieler Probleme. Noch besser und billiger ist Markenware der vorletzten Generation, weil hier auch die Kinderkrankheiten beseitigt sind. Falls Sie aber auf die Idee kommen sollten, individuelle Vorstellungen jenseits des Mainstreams verwirklichen zu wollen, hilft nur informieren, experimentieren, recherchieren und regelmäßig investieren. Munter bleiben!




